Di

23

Mär

2010

Bundesliga vs. Amateure Erkenntnisse eines Trainers

Noch vor einigen Monaten ging der Amateurfußball sprichwörtlich auf die Palme. Der geliebte Sonntag sollte nicht mehr allein den Amateuren gehören. Die Planer in den oberen Reihen der DFL wollten doch tatsächlich Bundesligafußball an einem Sonntagnachmittag stattfinden lassen. Unerhört!

Ein Aufschrei der Entrüstung ging zumindest durchs heimische Ruhrgebiet. Spiele mit Beteiligung der Profis aus Gelsenkirchen und Dortmund würden auch den letzten treuen Fan der örtlichen Amateurclubs vor den Fernseher locken, und somit den eh schon klammen Vereinskassen ein weiteres Loch hinzufügen. So war es oft zu lesen und hören.

Am Sonntag musste ich genau dieses Phänomen beobachten. Meine Jungs spielen durchschnittlichen A-Kreisligafußball. Mal besser, mal schlechter. Platz fünf in der Tabelle ist Ok, mehr aber auch nicht. Genau vor einer Woche gewannen wir beim Tabellennachbarn Westfalia Reken verdient mit 2:0. Ich sah ein gutes Spiel meiner Mannschaft und war mit allen Mannschaftsteilen zufrieden. Nach dieser Leistung erhoffte ich mir eine rege Zuschauerbeteiligung für das anstehende Spiel gegen Westfalia Gemen. Doch es kam anders.

 

Wir spielten schlecht, sehr schlecht. Nach gut 35 Minuten schweifte mein Blick ins weite Rund und ich nahm leicht verblufft zur Kenntnis, dass nicht mehr viele Augenpaare sich unserer Partie widmeten. Auf der anderen Seite, dem Gästebereich, unterstützten gut 50 Zuschauer ihr Team. Mir war klar, dass wir schlecht spielen, aber wenn ich als Zuschauer schon vier Euro bezahle, verschwinde ich doch nicht gleich wieder. Es gab ja schließlich noch eine zweite Halbzeit. Hoffnung genug, dass Blatt noch zu wenden.

 

Na ja, dachte ich, egal, die Zuschauer werden schon ihre Gründe haben. Das Spiel war beendet und unsere Niederlage besiegelt. Auf den Schock der enttäuschenden Vorstellung, war mir nach einem Schluck kühlem Gerstensaft zumute. Mein Weg führte mich direkt an die Quelle dieses edlen Getränks. Dem Clubheim. Ich öffnete die Tür. Falsch. Ich versuchte sie zu öffnen. Widerstand prallte mir entgegen. Ich verleitete meinem Ansinnen Nachdruck und schob zur Unterstützung meine Schulter gegen die Tür. Dem Druck wurde statt gegeben und ich konnte einkehren.

- Geballte Fußballkompetenz vereint -

 

Ach, da waren sie also alle. Alle die, die uns sonst so die Treue schwören. Alle die, die uns nach einem Sieg anerkennend auf die Schulter klopfen und nach einer Niederlage ermunternd wieder aufbauen. Gebannt hechelten sie vor dem Fernseher, dem kleinen auf der linken Seite, der großen Leinwand auf der rechten Seite. Gut 80 Personen verfolgten das Spiel ihrer Blau-Weißen. Voller Emotionen und Leidenschaft, jede Spielszene kommentiert mit einem „Ohhh“ oder mit einem „Ahhh“.

 

Kaum betrat ich den Raum, fragte mich ein mit einem Schalkeschal geschmückter Zuschauer nach unserem Ergebnis. Auf meine Frage hin, was er glaubt, wie es denn ausgegangen sei, antwortete er: “Sicher ein Sieg für euch, oder?!“ Mir war klar, dass dieser sympathische Zeitgenosse nicht eine Minute unserer katastrophalen Darbietung gesehen hat. Schließlich stand auf der Prioritätenskala dieses Zuschauers, der heimische Club nicht an erster Stelle.   

Zu faszinierend war das Kicken seiner Knappen. Ich nahm es mit Humor. Er sah so glücklich aus, seine Schalker lagen ja auch in Führung.

 

 

- Bundesliga ist das Maß aller Dinge -

 

In Anlehnung meiner oberen Einleitung muss ich abschließend feststellen, dass sämtlicher Kritiker dieser Bundesligaanstoßzeiten Recht haben. Magath und Co. ziehen die „Massen“ in ihren Bann. Und das wohl nicht nur in Lembeck.

 

Etwas Positives kann ich der ganzen Aktion aber doch abgewinnen. Jeder Zuschauer im Clubheim hat seinen Eintritt bezahlt. Das ist immer noch besser, als wenn er dem „geliebten“ Club komplett fern bleibt und die bequeme, eigene Couch vorzieht. So fanden wenigstens einige Euro ihren Weg in die Vereinskasse.

 

 

Es ist vermessen zu glauben, dass sich an diesem Verhalten etwas ändern wird. Ich möchte mich gar nicht weiter damit auseinandersetzen, zu dominant ist die Liebe des Fans zu „seinem“ Bundesligaclub. Aber eines, weiß ich ganz bestimmt. Nächste Woche, bei unserem Gastspiel in Erle, sind „die Lembecker“ wieder da und unterstützen „ihre“ erste Mannschaft.

 

Ist ja auch klar, Schalke spielt Samstag.

 

Und das ist auch gut so.

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Kommentare: 6

  • #1

    Michael (Dienstag, 23 März 2010 18:08)

    super Kommentar

  • #2

    Dennis (Dienstag, 23 März 2010 20:33)

    Respekt!

  • #3

    Micha W. (Dienstag, 23 März 2010 20:39)

    Super geschrieben! Wir in Altendorf hatten das gleiche Problem!

  • #4

    Christian W. (Mittwoch, 24 März 2010 09:00)

    Gelungener Artikel, der den Kern trifft. Sehr gut geschrieben, Kollege!

  • #5

    welheimer (Mittwoch, 24 März 2010 13:34)

    wird sich wohl leider auch in zukunft nicht ändern und ich komme aus bottrop da sieht es leider nicht viel besser aus sehr schade eigentlich ohne amateur fussball geht irgendwann aber alles den bach runter das sollte man dabei nicht vergessen

  • #6

    wing-commander@gmx.de (Donnerstag, 25 März 2010 13:28)

    Moin Jung- ich hoffe, du weisst, dass der Fernsehsender, der das überträgt, immer auf der Jagd nach Vereinen ist, die so etwas ohne Lizenz übertragen. Nur mal so am Rande :-) !!!
    Ansonsten klasse Artikel !!

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