Sa

09

Apr

2011

Eine nicht gekannte Ruhe

Es ist etwas eingekehrt beim SV Vonderort, das man seit Jahren vermisst hat und zu einem wahren Luxus geworden ist: Ruhe. Die Zeiten scheinen vorbei, in denen der SV Hollywood immer für eine Negativ-Schlagzeile gut war, auch der Trainer hat für Vonderorter Verhältnisse mittlerweile mit fast einem Jahr Dienstzeit ein biblisches Alter erreicht. „Es passt einfach“, sagt Trainer Hartwig Jondral, der dem SV Vonderort einen neuen Anstrich und eine neue Linie verpasste.

Die Platzanlage des SV Vonderort.

Peter Raabe, Urgestein der Wienberg-Löwen und seit gefühlten Jahrhunderten Manager, war immer für einen Spruch und eine überraschende Aktion gut. Gerade in der Sauren-Gurken-Zeit ohne die Liga-Spiele konnte man die Uhr danach stellen und darauf vertrauen, dass beim SV Vonderort wieder Halli-Galli herrschte. Und jetzt? Ruhig ist es geworden, vielleicht zu ruhig. Ist das die Ruhe vor dem berühmten Raabe-Sturm, der nach eigenen Angaben selber Schwierigkeiten hat die Trainer der vergangenen Jahre am Stück aufzuzählen? „Ach was, ich werde 70 Jahre alt, da wird man wirklich irgendwann ruhiger“, so der Manager, der so tief verwurzelt ist mit seinem Club wie kaum ein anderer in Vonderort. Vergessen ist der immer wiederkehrende Ärger über nicht gebaute Kunstrasenplätze „und Spieler, die einfach nur die Hand aufhalten wollten“, so Raabe.

Vonderort und die starken Männer: Hartwig Jondral, Peter Raabe und Marco Schneider (v.l.)

Denn Raabe hat mit Trainer Hartwig Jondral einen neuen starken Mann für seinen Verein gefunden. Sicherlich kein einfacher Typ, der Kollegen und Vereinsmitgliedern auch mal auf den Schlips tritt. Aber einer der gerade ist und sich gerade macht. Kurzum jemand, der zu seinem Wort steht. Und er steht bei seinem Verein im Wort, ihn umzukrempeln und auf die Zukunft vorzubereiten. „Wir ziehen es durch, dass wir verstärkt auf junge, motivierte und talentierte Spieler setzen, die sich mit dem Verein zu 100 Prozent identifizieren“, so Coach Hartwig Jondral. Es ist kein neues Konzept, einige Bottroper Vereine wie beispielsweise Dostlukspor, Fuhlenbrock, Rhenania oder auch der VfR Ebel (damals noch im Aufstiegsjahr unter Thomas Fels) haben es erfolgreich vorgemacht. Aber in Vonderort erkennt man jetzt auch die Zeichen der Zeit und setzt sie um. Mit an Bord und große Unterstützung ist seit einigen Wochen der neue sportliche Leiter Marco Schneider, der das „SVV-Dreigestirn“ um Jondral und Raabe komplettiert. Auch er sieht die ersten Erfolge schon deutlich über die Grenzen des Vereins hinaus. „Der SVV hat wieder einen guten Ruf bei den jungen Spielern bekommen. Es ist Ruhe eingekehrt und das neue Konzept, auf junge Spieler zu bauen, überzeugt“, sagt Marco Schneider. Fünf Kicker aus der A-Jugend sollen schon in der kommenden Saison in den Kader der ersten Mannschaft eingebaut werden. „Man muss nämlich gar nicht so weit reisen, wir haben schon etliche gute Jungs in der A-Jugend von Michael Lorenz, mit dem wir ganz eng zusammen arbeiten“, sagt Hartwig Jondral.

Jeder Spieler hat ein Fach, in dem seine sauberen Sachen gelegt werden. "Die Jungs brauchen nur noch einen Kulturbeutel", sagt Marco Schneider.

Und der betüddelt seine Spieler wie ein großer Bruder. Hier ist für alles gesorgt, frische Trainingskleidung, Handtücher etc. „Wenn die Spieler zum Training oder Spiel kommen, dann müssen sie nur noch einen Kulturbeutel unterm Arm mitbringen“, erläutert Marco Schneider, der gemeinsam mit Raabe und Jondral schon mitten in den Planungen für die kommende Spielzeit steckt. „Hier soll etwas entstehen, was Bestand und Nachhaltigkeit hat“, sagt Coach Jondral. Einen ersten Schritt haben sie beim SVV bereits getan.

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