Di
24
Mai
2011
"Ich zahle keine 900 Euro"
Der 1. Vorsitzende vom SV Zweckel, Ulrich Wloch, ist mehr als zufrieden mit dem ersten Jahr unter Günter Appelt. Im Interview mit Auf'm Platz Redakteur Raphael Wiesweg verrät er die Marschroute für die kommende Saison, die man allerdings nicht um jeden Preis durchziehen will. Im Fokus soll vor allem der Aufstieg der zweiten Seniorenmannschaft stehen und der Ausbau der Platzanlage. Beim Thema Rasenplatz und dem Umgang mit Neuverpflichtungen äußert sich Wloch skeptisch.
Von Raphael Wiesweg
Auf'm Platz: Guten Tag Herr Wloch. Ist die Saison für Sie jetzt bereits auch abgeschlossen oder geht es mit der Vorbereitung für die kommende Spielzeit parallel schon wieder los?
Wloch: Es ist natürlich noch nichts abgeschlossen. Die Saison 2010/2011 steht am kommenden Wochenende zwar vor dem Abschluss. Aber das Sponsoring, Verstärkungen für die Seniorenmannschaften und die Planungen für die Jugendabteilungen laufen auf Hochtouren.
Auf'm Platz: Gibt es bereits irgendwelche Neuverpflichtungen zu verkünden?
Wloch: Willy Kaspers ist der neue Trainer von der A-Jugend. Ansonsten bleibt es bei der Jugend dabei, dass Sören Schürer Jugendkoordinator und Trainer der B-Jugend und zweiten Seniorenmannschaft bleibt. Wir konnten bereits auch Youssef Batale und Nico Striewe verpflichten und stehen bei drei weiteren Spielern für beide Seniorenmannschaften vor weiteren Abschlüssen.
Auf'm Platz: Sie sprachen gerade u.a. das Sponsoring und die Jugendabteilungen an. Planen Sie noch etwas bestimmtes?
Wloch: Mein ganz großer Wunsch wäre es, viel Geld in die Platzanlage zu investieren. Aber das bleibt wohl erst einmal bei einem großen Wunsch. Vielleicht gelingen uns aber schon ein paar kleinere Schritte. Wir haben aktuell zu wenig Umkleidekabinen. Ballschränke und ein Raum für die Trikots, die momentan im Keller immer liegen, müssten auch gekauft bzw. erstellt werden. Wir haben Pläne angelegt, schließlich stehen bei uns auch noch ein paar alte Garagen, in denen bspw. Rasenmäher vom Betriebshof stehen. Den Platz könnte man aber wunderbar für neue Bauten nutzen. Die Stadt ist auch schon dabei, Pläne zu erstellen. Da müssen wir einfach abwarten, was möglich ist.
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Rasenplatz in einem katastrophalen Zustand
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Auf'm Platz: Das heißt, Sie müssen auch abwarten, ob tatsächlich etwas an dem katastrophalen Zustand des Rasenplatzes gemacht wird?
Wloch: Ich will der Stadt nichts Böses. Aber im Prinzip müsste der komplett neu gemacht werden. Der Platz ist so huckelig, in der Mitte ist fast nur noch Sand, die Drainage funktioniert nicht mehr und wenn es mal regnet, steht der komplette Platz unter Wasser. Wir wollen aber in einem guten Licht stehen, gerade auch schon in der Landesliga und unsere gut ausgebildete Technik bei den Spielern noch besser zur Geltung kommen lassen. Das funktioniert so aber überhaupt nicht. Ich bin skeptisch, ob das alles bis zum Trainingsbeginn für die kommende Spielzeit gelingt. Schließlich soll nicht nur die erste Seniorenmannschaft auf dem Rasenplatz trainieren können, sondern möglichst viele Jugendteams auch.
Auf'm Platz: Auch ohne die ganz großen Änderungen am Untergrund ist die sportliche Zielsetzung für die Saison 2011/2012 aber beim SV Zweckel bereits spruchreif.
Wloch: Nächste Saison dürfen vielleicht fünf (!) Vereine aus unserer Landesliga aufsteigen, drei auf alle Fälle. Und unser Team wäre theoretisch jetzt schon so stark gewesen, auf Platz Drei zu landen. Mit gezielten Verstärkungen sollte dieser Platz in der nächsten Saison also möglich sein.
Auf'm Platz: Dann würde eine noch größere Lücke zwischen der ersten und zweiten Seniorenmannschaft klaffen. Die Zweite hat es in diesem Jahr wieder verpasst, aus der Kreisliga B aufzusteigen.
Wloch: Die Jungs waren aber wieder nah dran. Klar ist aber auch, dass das in der nächsten Saison im Fokus stehen wird. Wenn die erste Mannschaft nicht aufsteigt, ist das kein Beinbruch. Mit der Zweiten wollen wir die Lücke endlich schließen. So wird es auch für unsere Jugendspieler interessanter, die z.B. aus der A-Jugend kommen und selbst schon Kreisliga A spielen. Die, die dann den Sprung nicht in die erste Mannschaft packen, wollen dann doch nicht tiefer spielen, als bisher.
Auf'm Platz: Trotzdem sagten Sie, dass auch die erste Mannschaft bereits jetzt nah an dem Aufstieg in die Westfalenliga steht. Dabei war zu beobachten, dass, wenn Zweckel Probleme oder Nachholbedarf hat, dann die Defensive betroffen war.
Wloch: Richtig. Mit so vielen Gegentreffern kann man auch eigentlich nicht aufsteigen. Deswegen liegt unser Hauptaugenmerk auch auf der Verpflichtung von defensiv starken Spielern. Uns fehlte diese Saison die Stabilität in der Abwehr. Und wir waren auch etwas zu dünn besetzt. Wenn mal ein Innenverteidiger ausgefallen ist, konnten wir ihn nur sehr schwer ersetzen.
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"50 neue Jugendspieler seit dem letzten Sommer" --------------------------------------------------------
Auf'm Platz: Trotzdem dürfte man mit der Saison zufrieden sein bei den Verantwortlichen, oder nicht?
Wloch: Ja, es ist natürlich ärgerlich, dass keine von beiden Mannschaften aufsteigen konnte. Aber mit der ersten Mannschaft bin ich sehr zufrieden. Sie hat eine ganze Menge gezeigt mit all' den jungen Kickern (Durchschnittsalter 22 Jahre, die Red.). Auf guten Fußballplätzen kommt unsere Technik sehr gut zum Tragen. Unsere Gegner zollen uns regelmäßig großen Respekt, wie wir spielerisch vieles versuchen zu lösen. Das ist alles ganz klar der Verdienst von Günter Appelt.
Auf'm Platz: Also haben Sie mit seiner Verpflichtung im letzten Sommer alles richtig gemacht und die Kritiker zum Schweigen gebracht?
Wloch: Auch ich hatte im letzten Sommer mal Bauchschmerzen, als es darum ging, Nägel mit Köpfen zu machen. Ich kenne Günter aber jetzt seit 35-40 Jahren und habe mir natürlich auch vorher Gedanken gemacht, ob diese Verpflichtung für den Verein richtig sei. Aber die Spieler sind begeistert vom Training. Nach dem Abgang unseres Vorsitzenden, haben nur zwei bis drei Jugendliche den Verein verlassen. Dafür sind bis zu 50 (!) neue Spieler gekommen. Seit letztem Sommer boomt unsere Jugend. Wir müssen schon an die Enfieldstraße ausweichen, weil wir so viele Teams haben und nicht alle beim Training unterkriegen können. Günter hatte im Sommer auch Angebote von höherklassigen Vereinen. Aber er ist Zweckler und bleibt Zweckler, wohnt auch hier in der Nähe und hat sich dann für uns entschieden. Wir wollten nach den ersten Monaten erst einmal eine Reaktion abwarten. Jetzt ist er unsere 1. Wahl! Und sportlich konnte es diese Saison kaum besser laufen, wir haben fast alles erreicht, was man erreichen kann.
Auf'm Platz: Sein Vertrag läuft noch ein Jahr. Wird der SV Zweckel noch in diesem Sommer mit Günter Appelt verlängern?
Wloch: Wir wissen alle, wie kurzlebig das Geschäft Fußball ist. Deswegen bin ich weit davon entfernt zu sagen, wir arbeiten noch sieben Jahre alle zusammen. Fakt ist aber auch, dass wir eine Vertragsverlängerung nicht vom Aufstieg im nächsten Jahr abhängig machen. Wir wollen hier etwas langfristig aufbauen. Fragen Sie mich einfach noch einmal in der nächsten Winterpause. Vielleicht kann ich Ihnen dann schon näheres dazu sagen.
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"Man kann nicht vom Kicken in der Landesliga gut leben"
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Auf'm Platz: Der SV Zweckel spielt bereits jetzt in der Landesliga. Nächste Saison soll es sogar in die Westfalenliga gehen. Es scheint kein Ende in Sicht zu sein, oder doch?
Wloch: Wir können noch so viel erreichen. Fahren Sie mal zu Vereinen aus Münster in der Landesliga, die haben fünf Rasenplätze und einen Traum von einer Sportanlage. Hier in Gladbeck gibt es so viele Vereine und daher werden alle gemeinsam an dem Topf Geld der Stadt beteiligt. Es freut mich zu sehen, was in den letzten Jahren beim BV Rentfort, Schwarz-Blau und der DJK Alemannia auf die Beine gestellt wurde. Da spricht auch kein Neid, sondern das braucht die Stadt. Trotzdem muss es möglich sein, dass die Stadt auch mindestens einen Sechsligisten bekommt. Von daher muss man auch sagen, dass wir immer noch "nur" in der 7. Liga spielen.
Auf'm Platz: Bei dem Unterfangen "Aufstieg in die Westfalenliga" könnte ein Stürmer, wie Michael Krakala durchaus helfen. Jetzt würde der Spieler, der erst im Winter Zweckel verlassen hat, am liebsten wieder zurückkehren. Warum kam es dann zu dieser Trennung?
Wloch: Michael ist Student. Jeder weiß, dass man dann finanziell nicht auf Rosen gebettet ist. Wenn dir dann ein Verein 200-300 Euro mehr anbietet, als du sowieso schon bekommst, kommst du natürlich ins Grübeln. Nur hat er wohl festgestellt, dass er menschlich viel besser nach Zweckel passt und sich dort auch wohler fühlt. Jetzt müssen wir mal abwarten, was möglich ist. Schließlich hat er in Essen auch noch Vertrag. Wir müssen aber mal endlich alle davon wegkommen, zu denken, dass man vom Fußballspielen in der Landesliga gut leben kann. Wir müssen uns auch immer wieder neu nach Sponsoren umgucken und hart arbeiten. Wir können auch keine großen finanziellen Sprünge uns leisten und ich zahle bestimmt keine 900 Euro für einen Spieler in der Landesliga. So lange ich hier im Verein etwas zu sagen habe, möchte ich auch, dass der Verein vernünftig wirtschaftet und vor allem ehrlich dabei ist und auch kein Geld aus dem Fenster wirft, was vielleicht gar nicht vorhanden ist. Sonst bekommen wir igendwann mal ähnliche Probleme wie vor einigen Jahren, als ich noch nicht in der Verantwortung stand, aber der Verein nach einer Steuerprüfung wahnsinning viel Geld zurückzahlen musste.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Wloch!
Kommentare: 2
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#1
Ich zahle keine 900 Euro. Vielleicht 300,400 oder 500 Euro.Man sollte auf den Teppich bleiben. Da kann ich nur mit den Kopf schütteln.
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#2
Wenn es so weiter geht dann wird der Verein genau wie damals Germania Gladbeck untergehen. Die bewegen sich in Zweckel auf dünnem Eis...







