Di

27

Sep

2011

„Ich habe einfach Spaß am Kicken!“

Gegen den TSV Bruckhausen feierte Willi Landgraf sein Debüt im VfB-Dress. Seitdem gehören die „Williiiii“-Rufe im Jahnstadion zum Sonntag dazu. Auf’m Platz-Redakteur  Henning Wiegert sprach mit dem Rekordmann aus der zweiten Bundesliga über den VfB, das Leben als Ex-Profi und die Nachwuchsarbeit. 

Auf’m Platz: Willi, du hast 500 Spiele in der zweiten Bundesliga absolviert, bist mittlerweile 43 Jahre alt. Warum tut sich jemand wie du noch einmal Bezirksliga an?

Willi Landgraf: Ich habe einfach Spaß am Kicken. Außerdem bin ich durch meinen Job als U15-Coach beim FC Schalke viel mit Jugendlichen zusammen, da tut es gut hier mit den Erwachsenen zu trainieren und zu spielen. Es gibt es für mich nichts schöneres, als einfach nur Spieler zu sein. Deshalb mische ich mich auch nicht in die Trainingsarbeit von Mevlüt Ata ein. Hier bin ich nur Spieler. Natürlich hätte ich auch in die Traditionsmannschaft gehen können, aber die spielen immer samstags. Sonntags hier beim VfB passt mir einfach besser.

 

Du bist Bottroper, wohnst in Vonderort, wie kam der Kontakt zum VfB zu Stande und was hat dich überzeugt für den VfB nochmal die Stiefel zu schnüren?

Der Kontakt bestand schon im letzten Jahr. Damals hatte mich Ralf Quabeck angesprochen, ob ich nicht im Abstiegskampf aushelfen könne. Daraus wurde allerdings nicht, weil ich bereits bei einem Kreisligisten in Dahlhausen zugesagt hatte. Jetzt hat es unter Mevlüt Ata, den ich schon lange kenne und schätze, geklappt. Beim VfB tut sich einiges und ich möchte ein bisschen helfen. Nicht nur sportlich, sondern auch neben dem Platz. Wenn im Oktober die Schalker U23 zu einem Testspiel ins Jahnstadion kommt, ist das sicher eine tolle Sache.

 

Du bist jetzt seit fast zwei Monaten beim VfB im Training. Die Mannschaft ist hervorragend in die Saison gestartet. Wo siehst du Stärken im Team und wo besteht aus deiner Sicht noch Nachholbedarf?

Die größte Stärke ist sicherlich die mannschaftliche Geschlossenheit. Hier steht der Teamgedanke ganz oben und trotzdem es für die Jungs bei dem großen Konkurrenzkampf nicht immer einfach ist, arbeiten sie füreinander. Außerdem sind die Jungs konditionell voll auf der Höhe. Das macht in der Bezirksliga viel her, gerade wenn es hinten heraus in die entscheidende Saisonphase geht. Zudem hat Mevlüt Ata hat eine gute Philosophie als Trainer. Die Jungs sollten gut zuhören.

Willi Landgraf im VfB-Dress.

Du warst 22 Jahre lang Profifußballer. Wie muss man sich den Tagesablauf von Ex-Profi Willi Landgraf vorstellen?

Als erstes gehe ich morgens um 8 Uhr joggen und stehe dann ab 10 Uhr mit den Spielern der U15 bis zur U19, die dem Internat angehören, auf dem Trainingsplatz. Danach steht etwas Büroarbeit auf der Geschäftsstelle an und natürlich laufen schon die Vorbereitungen für das Nachmittagstraining mit meiner U15, das um 17 Uhr losgeht. Ich bin eigentlich den ganzen Tag auf Schalke. Am Wochenende stehen dann die Spiele an, ich bin mit der Familie unterwegs und dann natürlich auch hier im Jahnstadion.

 

 

Als Trainer der U15 beim FC Schalke 04 siehst du den Nachwuchs beinahe täglich trainieren. Was muss ein Jugendspieler heute mitbringen, um Aussicht auf einen Profivertrag zu haben?

Zunächst einmal muss man sagen, dass Talent alleine nicht ausreicht. Der Wille und die Leidenschaft für den Sport müssen da sein. Es ist wichtig für den Fußball zu leben und immer bei der Sache zu sein. Gerade bei einem Verein wie dem FC Schalke. Und natürlich gehört auch die Schule dazu. Da muss es klappen, sonst geht nichts.

 

Du bist Rekordspieler der zweiten Liga, mit Alemannia Aachen in die Bundesliga aufgestiegen, standest im DFB-Pokalfinale in Berlin und hast UEFA-Pokal gespielt. Man könnte sagen: Alles erreicht. Welche persönlichen Ziele hast du dir noch vorgenommen?

Ohne Ziele kann man nichts erreichen. Ich bereite mich auf meinen Fußballlehrer vor, habe auf Schalke ein tolles Trainerteam an meiner Seite und tausche mich viel aus. Ich möchte mich unbedingt weiterentwickeln und gerne einmal höher als Trainer arbeiten. Wo, das weiß ich nicht. Aber man sollte im Fußball niemals nie sagen.

 

Die Auf’m Platz Redaktion bedankt sich für das Interview und wünscht weiterhin erfolgreiche Momente auf und neben dem Platz und natürlich auch im VfB-Dress.

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