Sa
26
Nov
2011
Titellos
Nicht nur, dass durch das spielfreie Wochenende vor knapp einer Woche der Fußball etwas in den Hintergrund geraten ist. Suizidversuch Babak Rafatis, die Wiederkehr von Markus Miller nach seinem Burnout ins Mannschaftstraining von 96, der Rücktritt Michael Sternkopfs aus demselben Grund und so weiter und so weiter... Der Fußball an sich ist in letzter Zeit in den Hintergrund geraten. Auch in den Amateurligen, wo es scheinbar mit Schiedsrichtern, Spielern und Verantwortlichen immer mehr Probleme gibt. Titellos - heute mal aus einer anderen Perspektive.
Von Raphael Wiesweg
Waren es in den letzten Wochen und Monaten in den Amateurligen zwar vermehrt eher hässliche Szenen, die durch Gewalt auf die Gesundheit schlugen und nicht die Gesundheit, die durch Depressionen angegriffen wurde, so scheint der Sport Fußball an sich trotzdem von einer bisher nie dagewesenen Sichtweise begutachtet und analysiert zu werden. Montags in den Zeitungen, im Internet und auf der Arbeit ist nicht mehr der wunderschöne Fallrückzieher, der zum siegbringenden 3:2 in der 89. Minute erzielt wurde, das Thema. Schiedsrichter, die (angeblich) wieder einmal völlig daneben lagen und das Spiel verpfiffen haben, Fans, die mit Golfbällen, Flaschen, Feuerzeugen, Spucke, Eckfahnen und Pyrotechnik um sich werfen, Depressionen bei Spielern, Funktionären und Verantwortlichen oder der nächste Faustschlag oder die nächste Tätlichkeit, die zu einem Krankenhausaufenthalt geführt haben, beherrschen die Diskussionen um das runde Leder.
Negativer Höhepunkt auch hier bei uns in der Umgebung ist der Rücktritt vom Trainer Thomas Bogdahn beim A-Ligisten SG Preußen Gladbeck. Zwar sollte man hier vorsichtig sein mit Spekulationen. Und Bogdahn selbst bestätigte auch unserer Redaktion, dass während seines dreitätigen Krankenhausaufenthalts nichts gefunden wurde. Doch sein überraschender Rücktritt mitten in der Saison hatte vor allem auch gesundheitliche Gründe! Der Spaß war Bogdahn abhanden gekommen und ohne den geht es im Amateurbereich nicht. Ich würde Thomas da vollkommen zustimmen. Doch wie oft macht der Fußball im Amateurbereich tatsächlich überhaupt noch Spaß? Wie viel Härte oder asoziales Verhalten gehört auf den Fußballplatz? Emotionen gehören dazu, Fußball soll elektrisieren - keine Frage. Doch wie weit darf es gehen? Aber sein wir mal ehrlich: Der Fußball, gerade in den Kreisligen, der ist nicht erst seit dieser Saison so auffällig brutal. Auch in den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu hässlichen Szenen - nur: wie sehr wurde dann immer mit dem Finger drauf gezeigt und der Fokus drauf gelegt? Ich sage: es hat sich (leider) nicht viel geändert. Weder zum Positiven noch zum Negativen. Wir nehmen es einfach hin. Wir haben es früher getan und machen es heute auch. Vielleicht fallen die kurz- und mittelfristigen Strafen etwas drakonischer aus, als noch vor ein paar Jahren. Doch über kurz oder lang ist auch das dann in Vergessenheit geraten.
Und deswegen wird über kurz oder lang auch wieder der Fallrückzieher in der 89. Minute das vorherrschende Thema am Montagmorgen in den Medien und den Büros sein. Denn über kurz oder lang geraten Menschen, Szenen und kurzzeitige unnormale Schwankungen schnell wieder in Vergessenheit. Fußball-Deutschland diskutiert und auch Auf'm Platz macht sich Gedanken dazu. Denn heutzutage spielen ganz einfach noch viele andere Dinge eine Rolle, als nur 22 Beine und eine runde Lederkugel - auch in den Amateurligen!
Bleibt sportlich und bis nächste Woche.
Euer Raphael
Kommentare: 1
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#1
Ein sehr, sehr guter Artikel. Das ist genau meine Meinung. Geschlagen, gepöbelt und gespuckt wird seit vielen Jahren, jetzt üben sich alle in Betroffenheit. Nur wirklich interessieren tut es keinen





