Do
05
Jan
2012
Quo vadis Gladbeck?
Der Ball ruht - zumindest auf den großen Feldern draußen. Aktuell ruhen sich die meisten Vereine von der Hinrunde aus, sammeln Kräfte für die Rückrunde oder bereiten sich auch schon langsam auf diverse Hallenturniere vor. Die Winterpause ist dieses Mal auf alle Fälle sehr lang, Zeit für ein Zwischenfazit aller Gladbecker Vereine nach der Hinrunde der Saison 2011/2012. Heute in der Vorstellung: Die Kreisliga A mit SG Preußen Gladbeck, Wacker Gladbeck, Adler Ellinghorst und dem BV Rentfort II.
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Die aktuelle Lage in der Kreisliga A
Die Reihenfolge im Teaser sollte es schon einmal andeuten: Die SG Preußen ist die stärkste Mannschaft dieses Quartetts und steht aktuell auf dem dritten Tabellenplatz. Dicht aneinader stehen die Teams von Wacker und Ellinghorst, die auf den Plätzen Sieben und Acht folgen. Seit dieser Saison neu zu dem Trio dazugekommen ist die Zweitvertretung vom BV Rentfort, die sich achtbar schlägt und sich momentan auf dem zwölften Tabellenrang wiederfindet. Während SGP (32 Punkte) nur sieben Punkte hinter dem Führenden YEG Hassel II (39) lauert und noch Aufstiegschancen hat, stehen Wacker (26) und der Adler (23) im gesicherten Mittelfeld - es scheint weder viel nach oben noch viel nach unten zu gehen. Der BVR II hat bereits jetzt ein beruhigendes Polster auf die Abstiegszone, sollte sich mit 18 Punkten nach 16 Spielen aber nicht zufrieden geben.
Die Saisonziele
Zu Saisonbeginn war noch Thomas Bogdahn Trainer von SG Preußen. Aus gesundheitlichen Gründen stieg Bogdahn, dessen Sohn Boris beim Bezirksligisten VfB Kirchhellen zwischen den Pfosten steht, noch vor dem Hinrundenende aus dem Trainergeschäft komplett aus. Es übernahmen bis heute Co-Trainer Andy Jaudt und Spieler Jan Kaiser die Rolle, die sie wahrscheinlich auch noch bis Saisonende ausfüllen werden. Bogdahn gab vor der Saison einen Platz unter den ersten Drei aus. Ein offenes Geheimnis war und ist in Gladbeck allerdings, dass die Kicker von der Konrad-Adenauer-Allee aufsteigen wollten und auch noch wollen. Sowohl das offizielle als auch das inoffizielle Ziel sind in 2012 noch machbar!
Der zweite A-Ligist in unserer Analyse war am zweitbescheidensten von allen Gladbecker A-Ligisten. Doch das auch gar nicht zu unrecht. Denn die letzten Jahre waren doch ziemlich holprig, auch, wenn das theoretische Leistungsvermögen für einen einstelligen Tabellenplatz definitiv vorhanden war und auch ist. Da aber noch allein in der letzten Saison länger als geplant um den Klassenerhalt gezittert werden musste, wählte Wacker-Coach Nordin Bouklata eine defensive Herangehensweise an den Erfolg. Denn diese Saison sollte es dann mal schon der einstellige Tabellenplatz sein. Bouklata wollte und will nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben und sich im Laufe der Spielzeit wenn überhaupt nur eher über Luxusprobleme aufregen wollen. Zur Zeit sieht es zumindest tabellarisch nicht schlecht aus. Denn aktuell steht man auf Platz Sieben mit einem gewissen Polster nach hinten. Doch trügt der Schein vielleicht ein bisschen. Dazu später mehr.
Da staunte man nicht schlecht, als vor Saisonbeginn verkündet wurde, dass der ehemalige Schalker Bundesligaprofi Miguel Francisco Pereira der neue Trainer des A-Ligisten werden sollte. Und es kam auch tatsächlich so. Nun ist Pereira für die B-Jugendlichen und für die erste Seniorenmannschaft zuständig und zumindest für seine "ältesten" Jungs gab er gleich das forsche Saisonziel aus, Platz Fünf erreichen zu können. "Nicht mehr", gab Pereira zwar zu Protokoll, aber die Mannschaft habe das Zeug dazu, nicht nur einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen, sondern auch noch weiter oben mitspielen zu können. Unter dem alten Trainer Franco Busu landete man am Ende auf dem elften Tabellenrang, das wollte Pereira auf alle Fälle optimieren. Nun steht man auf dem achten Rang und liegt nur fünf Punkte hinter dem anvisierten Platz Fünf.
Das Bild zeigt die beiden Trainer Marc Schäfer und Rolf Krause vor Saisonbeginn. Damals traf sich unser Gladbecker Redakteur Daniel Thiele mit beiden zu einem Doppelinterview, nachdem in Rentfort großes Stühlerücken angesagt war. Krause war es vorbehalten, von der Jugend nach oben gestuft zu werden. Kein leichtes Erbe, schließlich stieg die Zweitvertretung in dieser Saison in die Kreisliga A auf. Die erste Mannschaft spielt in der Bezirksliga. "Mehr geht sportlich aktuell nicht, das ist momentan das Optimum, was der Verein im Stande ist zu leisten. Wir haben nicht das Geld der anderen Vereine, um gute Spieler kaufen zu können", so der einstimmige Tenor der Rentforter. Deswegen wurden auch bescheidene (oder sollte man auch sagen: realisitische?) Ziele gewählt. Krause stellte von Beginn an klar, dass nur der Klassenerhalt zähle. Er macht keinen schlechten Job, so viel ist sicher. Denn aktuell steht man auf dem zwölften Tabellenplatz und hat ein bisschen Puffer zur Abstiegszone.
Der Verlauf der Hinrunde
Die einzige Konstante war eigentlich SG Preußen Gladbeck. Zwar erlaubte man sich auch den einen oder anderen unnötigen Ausrutscher. Allerdings ist das Jammern auf hohem Niveau. Schließlich steht der Mannschaft von der Konrad-Adenauer-Allee noch alle Türen offen. Erst am 10. Spieltag musste man die zweite Saisonniederlage hinnehmen. Ansonsten gab es mit SG-Beteiligung oft ein Feuerwerk als Zuschauer zu bestaunen. Klar ist: die Offensive von Preußen ist das Prunktstück der Mannschaft. Mit 48 erzielten Treffern stellt man auach die zweitbeste Offensive der Liga. Allerdings muss man gleichzeitig auch betonen, dass darunter die Defensive zu leiden scheint. Denn mit 26 (!) kassierten Treffern hat man auch die schlechteste Defensive aller Topteams.
Von den Topteams war zu Saisonbeginn Wacker Gladbeck alles andere als weit entfernt. Im Gegenteil. Für einen Spieltag war man sogar einmal Tabellenerster. Am vierten Spieltag erst kassierte man den ersten Gegentreffer, am fünten Spieltag erst gewann man zum ersten Mal nicht und kassierte die erste Saisonniederlage. Bis dahin war Wacker einsame Spitze. Zwar brannte man im Gegenteil zur SGP nie ein Feuerwerk ab, zeigte sich aber dennoch sehr effektiv. Doch mit der ersten Niederlage fingen die Probleme erst so richtig an auf der Burgstraße. Die Trainingsbeteiligung war mehr als nur mau, Trainer Bouklata trat für einen Tag zurück, der Vorstand konnte ihn noch einmal überreden und der eigene Ehrgeiz packte Nordin ebenfalls, die Mannschaft nicht im Stich zu lassen. Dennoch: Die Wacker-Mannschaft glich zwischenzeitlich einem Scherbenhaufen. Man machte sich die mehr als nur sehr gute Ausgangslage selbst kaputt. Standen noch zu Saisonbeginn 18 möglichen 15 satte Punkte auf der Habenseite, so stehen jetzt von möglichen 48 nur 26 auf dem Wackerkonto. Ganze elf Punkte kamen in den übrigen zehn Spielen nur noch dazu. Das ist die Punkteausbeute eines potentiellen Abstiegskämpfers. Zwar holfte man aus den letzten drei Spielen vor der Winterpause auch nur zwei Punkte. Dennoch braucht Wacker eigentlich nicht nach unten zu schauen. Denn, dass man stark genug ist für das oberste Tabellendrittel, hat man schon gezeigt. Für die Offensive sollte allerdings mehr gearbeitet werden. Gerade einmal 25 Tore, dazu noch 29 Gegentreffer, macht eine negative Tordifferenz: Als einziges Team unter den ersten neun (!) Mannschaften!
Die Überraschungstüte der Kreisliga A. Ihr Name? Ellinghorst. Adler Ellinghorst. Klar war vor Saisonbeginn, dass die Mannschaft nicht schon wie eine Maschine funktionieren würde. Der neue Trainer Miguel Pereira brachte viele eigene neue Vorstellungen von Fußballspielen mit. So führte er unter anderem auch die Viererkette bei den Adlern ein. Die Spieler mussten sich neu orientieren. Einer tollen Vorbereitung unterliefen aber auch immer wieder haarsträubende Fehler. Ähnlich der Verlauf der Hinrunde. Es gab berauschende 90 Minuten (wie gegen Grafenwald am 1. Spieltag, gegen den Aufsteiger Rentfort II oder den Sieg gegen Bezirksliga-Absteiger Westfalia Buer), tolle 45 Minuten (Das Spiel gegen in Beckhausen bezeichnete Pereira nach den ersten 45 Minuten als Sahnespiel, als das beste Kreisliga A-Spiel, welches er je sehen durfte, um nach 90 Minuten dann doch mit leeren Händen darzustehen) oder auch grausame Vorstellungen über ein ganzes Spiel (8. Spieltag, 6:2-Niederlage beim SV Hessler 06 II). Zwischenzeitlich glaubte man als Außendarstehender überhaupt nicht daran, dass Ellinghorst am Ende der Saison auf Platz Fünf landen könnte. Wie stark ist der Adler nun also wirklich? Aktuell steht man besser da, als am Ende der letzten Saison. Es ist deutlich noch Luft nach oben, was für die Verantwortlichen beruhigend sein muss. Denn der vor der Saison anvisierte Platz Fünf ist mehr als nur machbar, bei fünf Punkten Rückstand aktuell. Dazu müsste aber unter anderem die Viererkette noch besser eingespielt werden. Denn 30 Gegentreffer nach 16 Spielen reicht noch nicht einmal eigentlich für die obere Tabellenhälfte aus.
Erst am 4. Spieltag setzte es für den Aufsteiger die erste Niederlage. Immerhin: Beim 1:3 bei Wacker konnte man dem Spitzenreiter den ersten Gegentreffer der Saison hinzufügen. Schafften vorher drei andere gestandene A-Liga-Teams nicht! Danach standen von möglichen 18 Punkten neun zu Buche, kein schlechter Wert für die erste Kreisliga A-Saison mit gleichzeitig auch noch einem neuen Trainer. Doch es blieb nicht bei dem passablen Saisonstart. Es hagelte in den nächsten vier Spielen vier Niederlagen mit insgesamt 21 (!) Gegentreffern. Rolf Krause war schon fast sprachlos, drohte seinen Spielern mit Konsequenzen. Immerhin: Aus den letzten sechs Saisonspielen konnte man noch zweimal als Gewinner hervorgehen. Unter dem Strich steht eine turbulente Hinrunde mit einem guten Start, einem katastrophalem Zwischen"spurt" und einem unterdurchschnittlichem Ende. Doch wer mag es der sympathischen Truppe und vor allem einem Aufsteiger verübeln? Die Krause-Truppe muss allerdings aufpassen, dass der Zwischenspurt nicht in der Rückrunde zu einem Marathon wird.
Fazit & Ausblick
Eine Beleuchtung der Konkurrenten ist nach der ausführlichen Analyse aller Teams nicht mehr nötig. Auch so bekommt man schnell einen Eindruck, wie es in der Kreisliga A aussieht und zugeht. Schnell wird auch deutlich, auf welchem Niveau sich unsere Gladbecker Teams bewegen. Ebenfalls schnell deutlich wird, dass sich die Verantwortlichen alle vorher korrekt eingeschätzt haben. Rolf Krause wollte vor Saisonbeginn vor allem um den Klassenerhalt mitspielen. Das tut er mit seiner Mannschaft. Zwischenzeitliche positiver Ausreißer nach oben sorgten für angenehme Überraschungen für die Liga und den neutralen Zuschauer. Allerdings muss Rentfort II aufpassen, dass die mittlere Saisonhälfte der Rückrunde nicht wieder so wird, wie die paar Spiele mitten in der Hinrunde. Denn dann ist man schneller ganz unten drin, als man gucken kann. Und so schnell kommt man nicht wieder raus. Trotzdem: Auf'm Platz ist sich sicher: Absteigen wird der Aufsteiger sicher nicht! Krause und Co. werden den Klassenerhalt frühzeitig packen!
Mit dem Abstiegskampf hat Wacker Gladbeck diese Saison nichts zu tun. Auch in der Rückrunde besteht diese Gefahr nicht. Ein einstelliger Tabellenplatz war anvisiert, ein einstelliger Tabellenplatz wird momentan belegt und am Ende der Saison wird auch ein einstelliger Tabellenplatz das Resultat des Talents der Spieler sein. Richtig, des Talents, nicht des Könnens. Denn das ist der Dorn im Auge von Auf'm Platz. Es ist schade, mit welchen Problemen Nordin Bouklata sich herumplagen muss, denn in der Mannschaft steckt deutlich mehr Potential, als "nur" ein einstelliger Tabellenplatz. Die Gladbecker Redaktion konnte sich selbst schon davon ein Bild machen. Normalerweise müsste es für mindestens Platz Fünf reichen. Genau dahin will der Adler aus Ellinghorst.
Vor der Saison wollte Pereira auf Platz Fünf, so seine forsche Ansage. Die Hinrunde verlieft sicherlich nicht nach des Adlers Geschmack, auch nicht nach dem des neuen Trainers. Doch auch der neutrale Beobachter frug sich mehrmals in den letzten Monaten: Kann oder will der Adler nicht noch mehr leisten? Zwar steht man aktuell auch auf keinem schlechten achten Tabellenplatz. Doch manche Leistung sorgte in der ersten Saisonhälfte schon für ein großes Staunen und das nicht unbedingt im positiven Sinne. Doch darin liegt die große Chance für den Adler: Denn 1. scheint das Potential noch lange nicht ausgeschöpft und 2. ist dahingehend ein 8. Platz auch nicht schlecht. Bis Platz Fünf ist es zumindest nicht weit, aktuell sind es nur fünf Punkte. Gelingen den Kickern konstantere Leistungen, ist Platz Fünf möglich. Daran glaubt Auf'm Platz aber nicht. Man wird wohl knapp scheitern und am Ende wird wohl Platz Sieben herausspringen!
Davon weit entfernt ist unser letzter Kandidat. Aber nicht im negativen Sinne. Denn SG Preußen ist aktuell Tabellendritter. Und genau dahin wollte man in dieser Saison auch - mindestens. UNTER die ersten Drei wollte man nämlich, was automatisch auch impliziert, dass man mit um den Aufstieg spielt. Den Bezirksliga-Absteiger Westfalia Buer zerlegte man in dieser Saison gleich zweimal: Einmal im Pokal, einmal in der Liga. Buer ist allerdings auch so weit entfernt vom Wiederaufstieg, wie Christian Wulff vor einer Einstellung als Chefredakteur von der BILD. Trotzdem: Die SG war zwischenzeitlich schon einmal Tabellenerster, machte sich die gute Ausgangsposition aber wieder selbst kaputt. Klar ist, dass die Offensive schon jetzt Bezirksligatauglich ist. Klar ist aber auch, dass die Defensive öfter nicht einmal Kreisliga A-tauglich ist. Der Tabellendritte muss sich also was einfallen lassen, um einen gesunden Mittelweg zu finden. Gelingt das, kann man tatsächlich um Platz Eins mitspielen. Auf'm Platz glaubt aber, dass es dafür am Ende nicht reichen wird. Platz Drei wird am Ende der Saison wahrscheinlich genauso stehen, wie aktuell.







