So
08
Jul
2012
"Brauche eine Auszeit"
Es hatte sich vor Monaten bereits angedeutet, nun ist es offiziell: Sören Schürer beendet nicht nur seine Funktion als Trainer beim SV Zweckel II, sondern verlässt den neuen A-Ligisten auch als Spieler. Diverse Vereine wollten ihn verpflichten, mit einem Gladbecker Verein gab es auch gute und konkrete Gespräche. Doch Schürer erteilt im Interview mit Auf'm Platz allen Interessenten eine Absage und freut sich nun vor allem auf ein paar Tage ohne Fußball.
Auf'm Platz: Hallo Sören, gesund und nüchtern von der Abschlussfahrt mit Zweckels Zweitvertretung zurückgekehrt?
Schürer: Ja, es war richtig klasse mit den Jungs noch einmal gemeinsam weg zu fahren und auch zu feiern. Das haben die Jungs sich nach der Saison auch verdient.
Es gab zahlreiche Gerüchte, die in den letzten Wochen und Monaten durch die Städte geisterten, was für dich nach Zweckel kommt.
Schürer: Von den Gerüchten habe ich teilweise auch etwas mitbekommen. Es gab auch das ein oder andere gute Gespräch, vor allem mit Carlos und Michael (Trainer Wacker Gladbeck, d. Red.), die
mich als Spieler gerne verpflichtet hätten. Aber ein neuer Verein stand für mich eigentlich gar nicht zur Debatte. Ich brauche eine Auszeit vom Fußball und das habe ich allen interessierten
Vereinen auch so mitgeteilt.
Wenn die Gespräche mit Wacker so gut liefen, warum bist du dann nicht dorthin gewechselt?
Schürer: Wenn ich etwas mache, dann nur zu 100 Prozent. Und das hätte ich Carlos und Michael nicht geben können. Gerade in letzter Zeit war ich sehr viel im Stress, auch berufsbedingt. Ich
kann erst jetzt, Wochen nach Saisonende, zum ersten Mal ausspanne nund ein paar Tage ohne Fußball verbringen, weil auch diverse Jugendspiele oder -turniere erst noch stattfanden.
Warum hörst du überhaupt beim SV Zweckel II auf? Du hattest bereits Anfang des Jahres angekündigt, dass du zumindest als Trainer definitiv aufhören willst. Nun sogar
komplett.
Schürer: Es war von Vorstandsseite nicht immer die Rückendeckung gegeben, die ich mir für das Team gewünscht habe. Das ist aber eine rein subjektive Meinung und ich will auch betonen, dass im
Vorstand ganz feine Leute sind, mit denen wir alle, auch ich, immer ein gutes Verhältnis hatten. Nur sportlich gingen unsere Sichtweisen immer wieder auseinander.
Was genau meinst du damit?
Schürer: Das Loch zwischen Erst- und Zweitmannschaft war mir zu groß. Klar, die Erstmannschaft spielt nicht erst seit dem Aufstieg sehr hoch und auch guten Fußball. Aber gerade in
Stresssituationen hätte ich mir mehr Unterstützung durch den Vorstand gewünscht. Ich bin auch völlig damit einverstanden, wenn man sagt, dass die Zweitmannschaft als Unterbau dienen soll. Doch
wir hatten in der Vergangenheit nicht nur einmal das Problem, dass wir Spieler für die erste Mannschaft weiterentwickelt haben, diese dann dort aber nicht klar gekommen sind
und geknickt zurückkamen. Es war dann stets nur unsere Aufgabe, diese Akteure wieder aufzubauen. Ich habe zu Carlo (Rainer Schluck, ebenfalls Trainer vom SV Zweckel II, d. Red.) gesagt, als
wir Dennis Grüttner hochgeschickt haben, dass, wenn es wieder so läuft, ich als Trainer definitiv aufhöre.
Jetzt hörst du aber nicht nur als Trainer auf, sondern auch als Spieler und verlässt den SVZ.
Schürer: Wäre Carlo Trainer geblieben, hätte ich vielleicht unter ihm weitergespielt.
Aber Rainer Schluck ist jetzt auch nicht mehr Trainer und will von Platz zu Platz tingeln und sich mal andere Spiele auch an Sonntagen anschauen.
Schürer: Uns wurde gesagt, dass die Mannschaft neue Reize benötige. Man hat Carlo dann einfach einen Trainer quasi vor die Nase gesetzt. Das war auch nicht die feine Art. Da war mir klar,
dass ich auch komplett aufhöre. Denn ich habe zu viel Respekt vor Carlo, wir haben lange zusammen gearbeitet und etwas aufgebaut.
Wann hast du dann endgültig den Entschluss gefasst, aufzuhören?
Schürer: Ungefähr im Februar. Auf alle Fälle noch vor dem Start der Rückrunde. Völlig legitim war es dann, dass der Vorstand sich nach einem Nachfolger umschaut.
Der steht auch schon länger fest, es wird Marc Bahl.
Schürer: Genau. Ich persönlich finde Marc Bahl auch total super.
Das klingt nach einem Aber.
Schürer: Die Art und Weise, wie in der Rückrunde dann mit allen umgegangen wurde, fand ich mehr als nur unglücklich. Das ist jetzt aber nicht oder nicht nur auf Marc bezogen. Die Planungen
für die neue Saison liefen schon. Während des Trainings wurden Spieler angesprochen. Vor dem so wichtigen Spiel gegen Kirchhellen wurden bereits Trainigspläne für die neue Spielzeit
verteilt. Da ist doch klar, dass das die Spieler ablenkt. Wir hatten viele Wochen, wo an konzentrierte Arbeit im Training nicht mehr zu denken war. Umso größer ist mein Respekt vor der
Mannschaft, wie sie mit der Situation umgegangen ist. Da kann ich nur meinen Hut ziehen.
Liege ich falsch, wenn ich das Gefühl habe, dass aber noch mehr vorgefallen ist?
Schürer: (schmunzelt) Nein, der Eindruck ist schon nicht verkehrt. Wenn dir gesagt wird, dass die Mannschaft nur wegen der Gemeinschaft und nicht wegen der fußballerischen Qualitätso stark
ist und so weit oben stand, musst du schon schlucken. Dabei haben wir natürlich auf genau diesen Punkt auch geachtet. Spieler, die auch eher Unruhe in die Mannschaft gebracht haben, haben nicht
mehr für uns gespielt. Genau diese kommen aber jetzt auch teilweise zurück. Aber das ist nicht mehr meine Angelegenheit.
Kann man dem Vorstand jetzt noch in die Augen schauen?
Schürer: Auf alle Fälle. Wir sind stets offen miteinander umgegangen und waren immer allegegenseitig ehrlich. Wie gesagt, wir hatten ja eigentlich immer nur unterschiedliche Meinungen, was das
Sportliche angeht oder wie man miteinander umzugehen hat. Wir haben uns aber auf jeden Fall im Guten getrennt und ansonsten immer super verstanden.
Klingt, als ob ihr aber schon des Öfteren Differenzen hattet.
Schürer: Aber das gehört doch dazu. Nur so werden andere, neue Dinge angeregt. Und vielleicht muss ich auch zugeben, dass ich zu große Erwartungen an manches hatte. Oder mein
Selbstverständnis ist teilweise anders, als von anderen Leuten.
Das Gespräch führte Raphael Wiesweg.
Vielen Dank für das Gespräch, Sören und alles Gute für deine vor allem berufliche Zukunft.






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Kommentare: 1
Tuddy (Montag, 09 Juli 2012 13:01)
Wieder ein guter Coach weniger! Alles Gute,Sören!