So

04

Nov

2012

Wer die Chancen nicht nutzt . . .

Der SC Rot-Weiß Oberhausen musste am 14. Spieltag der Regionalliga West eine völlig unnötige 1:3 (1:1)-Niederlage im Derby beim Wuppertaler SV hinnehmen. Die nackten Zahlen am Ende des Spiels lügen natürlich nicht, den Spielverlauf spiegelt das Ergebnis aber definitiv nicht wieder. Von Anfang an waren die Kleeblätter, anders als in der Vorwoche gegen Bergisch Gladbach, im Spiel und kombinierten sich gefällig nach vorne.

Von Michael Ketzer

Karoj Sindi (l.) konnte endlich seinen ersten Saisontreffer erzielen.

Bereits in der 2. Minute versuchte der wieder in die Startelf gerückte Talarski den Ball auf Mützel durch zustecken, der Schiedsrichterassistent erkannte jedoch auf Abseits. Nach nicht einmal fünf Minuten dann der eiskalte Schock. Fleßers nahm sich im Mittelfeld den Ball und zog aus fast 30 Metern einfach mal ab. Die Kugel schlug im Torwinkel ein und es stand 1:0 für den WSV: Ein absoluter Sonntagsschuss am Samstagnachmittag. Die Rot-Weißen zeigten sich jedoch überhaupt nicht beeindruckt, suchten weiter den Weg nach vorne und kamen immer besser ins Spiel. Direkt nach dem Tor hatte Karoj Sindi den Ausgleich auf dem Fuß (5.), kurz darauf versuchte es Sebastian Mützel bei einem Freistoß aus 30 Metern direkt, WSV-Keeper Semmler konnte den Ball nicht festhalten, war dann aber bei den Nachschussversuchen von Nowak und Talarski zur Stelle. Der Druck auf das Wuppertaler Gehäuse wurde immer größer, aber bei den Chancen von Mützel (15.), Sindi (19.) und Talarski (21.) fehlte die Präzision. In der 29. Minute war es dann aber passiert. Nach toller Kombination über links spielte Ralf Schneider Mützel frei, der abzog. Ex-RWOler Semmler konnte nur vor die Füße von Sindi klären, der zum Ausgleich einschob und endlich sein erstes Tor in der Meisterschaft für RWO erzielte. Der hochverdiente Ausgleich war geschafft.

In Oberhausen noch als Chancentod bezeichnet, traf Marcel Landers (r.) heute aus 40 Metern gegen seinen EX-Verein.

Und RWO war weiter am Drücker. In der 33. Minute köpfte Kapitän Jörn Nowak nach einer Ecke von Talarski knapp am kurzen Eck vorbei, in der 38. Minute verpasste Grumann in der Mitte eine Hereingabe von Mützel nur knapp. Das 2:1 für die Kleeblätter lag in der Luft. Auch nach dem Seitenwechsel gehörte die erste Chance wieder den Rot-Weißen. Unmittelbar nach Wiederanpfiff tauchte Sindi wieder ganz alleine vor dem Wuppertaler Schlussmann auf und hätte zum Mann des Spiels werden können. Doch der Torhüter reagierte überragend mit einer Fußabwehr und hielt seine Mannschaft im Spiel. Danach erhielt das bis dahin gut geführte Spiel der Oberhausener plötzlich einen Knacks, begünstigt durch die erneute Führung aus dem Nichts für den WSV. Eine Flanke von Landers landete auf dem Kopf von WSV-Torjäger Knappmann, dessen Kopfballbogenlampe länger und länger wurde und schließlich im langen Eck hinter Patrick Nettekoven einschlug: Zweite richtige Chance, zweites Tor für Wuppertal. In der 51. Minute hätte es praktisch im direkten Gegenzug wieder zum Ausgleich reichen müssen, aber der Abschluss von Sindi landete am Pfosten. Dieses Mal fehlte das Quäntchen Glück. Stattdessen kam es knüppeldick für die Kleeblätter. Ein von Marcel Landers als Flanke geschossener Freistoß aus 40 Metern flog über Nettekoven hinweg ins lange Eck. Der Oberhausener Keeper hatte den Ball unterschätzt. Zum „krönenden“ Abschluss sah Marvin Grumann innerhalb von drei Minuten zweimal die gelbe Karte und musste den Platz verlassen (59.). Danach war die Messe gelesen. Zwar steckten die Jungs von Peter Kunkel nicht auf, mussten aber aufpassen, dass sie sich nicht noch einen Konter zum 1:4 fangen.

Die Chancenauswertung der Oberhausener Kleeblätter war erneut miserabel.

In der 71. Minute hätte RWO in Unterzahl mit etwas Glück doch noch einmal den Anschluss schaffen können, als Mützel im Strafraum zu Fall gebracht wurde, hätte Schiedsrichter Siewer vielleicht auch auf den Punkt zeigen können. Er tat es aber nicht und in der Folge musste Patrick Nettekoven bei Kontern der „Löwen“ noch einige Male beherzt eingreifen. Symptomatisch für den Verlauf des Spiels und die Tatsache, dass der Ball einfach nicht mehr über die Linie des Wuppertaler Tores wollte, war die Doppelchance vom eingewechselten Mike Terranova, der zweimal an seinem ehemaligen Teamkollegen Semmler scheiterte (88.). Danach passierte nichts mehr und RWO musste erneut Punkte liegen lassen, trotz einer starken ersten Hälfte.


Stimmen:
Peter Kunkel (Trainer RWO):
„Wir müssen irgendetwas verbrochen haben, dass wir so ein Spiel verlieren. Wir haben uns nach dem frühen Gegentor Chance um Chance erarbeitet. Zur Halbzeit war der WSV eigentlich tot, nach der Pause müssen wir das 2:1 machen. Stattdessen schießt Wuppertal zweimal auf das Tor und zweimal ist der Ball drin.“

Hans-Günter Bruns freut sich über die drei Punkte.

Hans-Günter Bruns (Trainer WSV):
„Die Mannschaft hatte die Nerven ziemlich blank liegen, auch das frühe Tor hat keine Sicherheit gegeben. Über einen Rückstand zur Halbzeit hätten wir uns nicht beschweren können. Die zweite Halbzeit war in Ordnung. Die schnellen Tore haben uns natürlich in die Karten gespielt. Ich habe vorher gesagt: Heute zählen nur die Punkte, sonst nichts. Wir haben in der zweiten Hälfte teilweise gezeigt, wozu wir spielerisch in der Lage sind.“

Aufstellungen
WSV: Semmler, Herzenbruch, Fleßers, Reichert, Moosmayer (77. Meier), Knappmann, Landers, Abel (32. Boztepe), Cornelius (73. Wassinger), Neppe, Haas

RWO: Nettekoven, Hötte, Asaeda, Sindi (79. Terranova), Mützel, Tyler, Grumann, Nowak, Schneider, Talarski, Sturm

Schiedsrichter/Assistenten: Siewer – Schäfer, Höhn
Zuschauer: 1441
Tore: 1:0 Fleßers (5.), 1:1 Sindi (29.), 2:1 Knappmann (48.), 3:1 Landers (56.)
Karten: Moosmayer (Gelb, 25.), Abel (Gelb, 26.), Meier (78., Gelb) – Grumann (Gelb, 55.), Grumann (Gelb-Rot, 59.)

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