Daniel Thiele (SG Preußen Gladbeck)

Wer kann schon behaupten einen Nationalspieler in seinen eigenen Reihen zu haben? Unter anderem wir! Denn mit Daniel Thiele ist seit einigen Wochen (August 2011) ein ganz schön bunter Vogel Teil des Auf'm Platz Teams. Ab und zu versucht er auch Fußball zu spielen. In Thailand war er so erfolgreich, dass er beinahe als Michael Ballack dort in die Geschichtsbücher eingegangen wäre.

Von Daniel Thiele

Wie ich in die Welt zog und als „Nationalspieler“ wiederkehrte

Ein Fußballplatz in Thailand

Es gibt viele deutsche Fußballer im Ausland: Özil in Madrid, Klose in Rom oder Frings in Toronto. Ich möchte nicht so vermessen sein und mich mit den Fußballprofis vergleichen und vielleicht ist der Begriff „Fußballer“ in meinem Fall auch etwas weit hergeholt, dennoch besagt die Definition des Wortes Fußballer: Jemand der regelmäßig Fußball spielt. Meiner Meinung nach spielt derjenige bestenfalls in einem Team unter Wettbewerbsbedingungen. Eine weitere Gemeinsamkeit, die mich mit den Profis verbindet ist der Anhang „im Ausland“. Im Gegensatz zu den Legionären wurde ich jedoch nicht transferiert, mein Auslandsaufenthalt war freiwillig und stand in erster Linie im Zeichen der Bildung.

Thieles Trainigsplatz

Im Wintersemester 2007/08 begann der Trip in eine für mich völlig neue Welt. Abflug Düsseldorf, Ankunft zwölf Stunden später in einem Land, in dem Fußball zwar Volkssport Nummer Eins ist, aber das in der FIFA Weltrangliste auf Platz 120 direkt hinter Liechtenstein angesiedelt ist. Fast ein jeder Amateur- oder Kreisligafußballer hat sich doch schon mal geärgert nicht Liechtensteinischer Staatsbürger zu sein, um ein Mal ein Nationaltrikot in einem Länderspiel überstreifen zu dürfen. Unabhängig vom Talent vermag doch ein jeder  meinen, der öfter als drei Mal den Ball hoch halten kann, für Liechtenstein zum Spielen im Stande sei. Auch ohne diesen Hintergedanken meine Staatsbürgerschaft zu wechseln, um vielleicht Nationalspieler für ein fußballerisches Entwicklungsland zu werden, wollte ich auch während meines Auslandssemesters weiterhin meinem Hobby nachgehen und möglichst wie in Deutschland zweimal die Woche trainieren.

Lag es am Essen?

Schon am ersten Tag in Thailands Hauptstadt, die ich bisher nur aus Jean-Claude van Damme Filmen kannte, waren inmitten der Betonwüste kleine eingezäunte asphaltierte Fußballplätze zu sehen. Was in den USA die Basketballplätze sind, sind in Bangkok die stets gefüllten Fußballplätze. Glücklicherweise hatte die Rajamangala University Technology of Krungthep eine College-Mannschaft und einen Rasenplatz. Nachdem ich mich an die sechs Stunden Zeitunterschied, die täglichen 40 Grad und die 80-Prozentige Luftfeuchtigkeit annähernd gewöhnt hatte, wollte ich Teil der ansässigen Fußballmannschaft werden.

Oder lag es am Bier?

Ein ehemaliger Nationaltrainer stellte vor Jahren fest, dass „ es keine Kleinen mehr gibt“ und das konnte ich schon bei meinem ersten Training mit den thailändischen Tsubasa Ozoras und Kojiro Hyugas bestätigen. Berti Vogts meinte damit nicht die Körpergröße der jeweiligen „Kleinen“, denn im Gegensatz zu meinen thailändischen Mitspielern war ich mit einer europäischen Durchschnittsgröße von 1,80m ein Hüne auf dem Spielfeld. Wie die Fußballwelt aber spätestens seit dem in Barcelona kickenden Fußballfloh weiß, kann man mit kurzen Beinen äußerst flink und technisch versiert sein. Diese Attribute statteten die meisten meiner Mitspieler ebenfalls aus und weiterhin gesellte sich eine für mich unmenschliche Kondition hinzu. Der Trainer, der kein Wort Englisch sprach, war ein wahrer Experte und hatte ein exzellentes Auge für die Stärken seiner Spieler, so stellte er mich ganz nach vorne in die Sturmspitze. Schon nach der ersten Trainingseinheit bemerkte er meine Laufunfreudigkeit und mein Standfußballertum, aber auch meine Lufthoheit. So hätten aber wohl die meisten Trainer nach den ersten Eindrücken meines Könnens entschieden.

Der Kho Phi Phi

In der ersten Trainingswoche, jeden Tag von Dienstag bis Samstag, hatte ich Schwierigkeiten mit meinem Mageninhalt. Trotz aller Bemühungen das bezahlte Essen drinnen zu behalten,  suchte es sich spätestens nach dem „Aufwärmprogramm“ den Weg ins Freie. Ich verabschiedete mich regelmäßig nach 45 Minuten und war für kurze Zeit hinter der Zuschauertribüne verschwunden. Böse Zungen behaupten bis heute, dass das Widerkäuen am Chang Bier, am Thai-Whiskey und an Bangkoks unbeschreiblichen Nachtleben lag. Die Art und Weise des Trainings war in etwa mit der unseren zu vergleichen, allerdings war der Umfang ein anderer. Fünf Tage die Woche à vier Stunden versammelte sich die Mannschaft zum Aufwärmprogramm -15 Stadionrunden -, Konditionsübungen – Zirkeltraining -, Dehnübungen- fast jeder konnte einen Spagat und so brachen meine qualvollen Versuche mit den Fingern meine Fußspitze zu erreichen regelmäßig in Gelächter aus. Schusstraining - das bitter nötig war, denn schießen konnten die Jungs wirklich nicht -  und zum Abschlussspiel. Die deutschen Tugenden wie Zweikampfstärke, Disziplin und Kampfbereitschaft waren den Thailändern nicht wirklich bekannt und so sprach es sich schnell an der Universität herum, dass ein Deutscher, laut meinen Mitspielern, wie Michael Ballack – zu der Zeit musste er sich noch nicht geehrt fühlen bei einem Champions League Teilnehmer auf der Ersatzbank sitzen zu dürfen- im Uni-Team spielte und selbst die thailändische Staatsangehörigkeit wurde mir von einigen meiner Kommilitonen und Mitspielern nahe gelegt. An dem Turnier der Universitäten von Bangkok konnte ich leider nicht mehr teilnehmen.

Mc Delivery

Stattdessen entspannte ich mich auf Kho Phi Phi am drittschönsten Strand der Welt. Aber ein Vergleich mit dem ehemaligen Kapitän der Deutschen Fußballnationalmannschaft ist sicherlich nicht das schlechteste Zeugnis für einen Amateurfußballer und anscheinend hatte Heiner Wroblewski, der mich damals aus der Ellinghorster Jugend in die erste Mannschaft von Preußen Gladbeck lotste, gute Kontakte in Thailand. Er war es letztendlich, der mich nach meiner Rückkehr „Nationalspieler“ taufte.

Das Kind im Thiele

Internationalspieler wäre wohl die passendere Bezeichnung gewesen, denn es gibt bestimmt nicht viele Amateurkicker, die auf zwei verschiedenen Kontinenten in Fußballmannschaften spielten. Abschließend muss ich sagen, dass der thailändische Amateurfußball ein ordentliches Niveau hat und der ein oder andere Spieler meiner Mannschaft sicherlich auch einen Platz in der hiesigen Kreisliga oder Bezirksliga gefunden hätte. Die größte Errungenschaft des thailändischen Volkes ist aber auf dem Nahrungssektor zu verzeichnen. Für einen Sportler ist es nicht das beste Nahrungsmittel, aber Mc Donalds hat einen Lieferservice.

 

Daniel Thiele kämpft seit gefühlten Monaten nach einer schweren Verletzung um den Anschluss im Team von SG Preußen Gladbeck. Immerhin: den Stammplatz auf der Bank hat er. Dafür wünscht das komplette Auf'm Platz Team auch weiterhin alles Gute!