Horst Bistrich (SV Rhenania Bottrop)

Ohne geht einfach nicht. Horst Bistrich ohne Fußball, das ist wie ein Vogel ohne Flügel. Einfach ein trauriger Anblick. Wohl auch deshalb zieht es den Fußball-Wahnsinnigen immer wieder zu neuen Aufgaben. Sollte eigentlich der fußballerische Ruhestand nach vielen Jahren in verschiedenen Positionen eingeläutet werden,  so ließ sich Horst Bistrich doch nochmal überreden. Sportlicher Leiter beim SV Rhenania, das steht nun für den Nimmermüden auf dem Programm. „Los geht´s“, sagt der Bottroper und packt es an.

In der 2. Mannschaft beim SVR in 1967

Fußball lag dem Horst schon immer im Blut. Immer. „Viele denken immer, ich hätte von frühester Kindheit an das Feld unsicher gemacht, aber das stimmt nicht. Zeitlebens war ich Keeper“, stellt der neue sportliche Leiter des SVR klar. Und sogar ein richtig guter Torsteher. In der Rhenanen-Jugend angefangen, verdrängte der damals noch junge Nachwuchs-Goalie den damaligen etatmäßigen Torsteher der Bezirksliga-Mannschaft des SVR, Jupp Kaufmann. Als die Bundeswehr ihn rief, da kickte Bistrich erst für den RSV Klosterhardt, dann im Norden beim HSV Hohldorf in der Landesliga. Zeitweise war der Sonntag richtig vollgepackt: Morgens gerne noch im Handballtor, ging es nachmittags auf die große „Hütte“. Es sind vor allem die Geschichten, die einem in Erinnerung bleiben und die Horst Bistrich heute immer noch gerne erzählt. So zum Beispiel bei den Aufstiegsspielen der Jugend des VfB Bottrop. „Kerl, was haben die uns damals mit Absicht beschissen, aber da kannst Du nichts dran machen“, sagt Bistrich. Bis auf einen seiner Spieler. „Ich hörte es nur knallen und dann sah ich, wie einer meiner Spieler den Schiri nach Schlusspfiff umgehauen hatte. Auch wenn man das in der ersten Emotion vielleicht  nachvollziehen kann, so geht´s natürlich nicht“, erinnert sich der Fußballlehrer mit A-Lizenz. Oder damals bei der Spruchkammersitzung, als man einem von Bistrichs Schützlingen an den Kragen wollte.

„Da sitzt doch dieser Kerl rum und behauptet frech, er hätte alles verstanden was mein Spieler gesagt hätte, immerhin würde er sehr gut türkisch verstehen. Sein Interesse an Sprachen hat mich außerordentlich gefreut und fasziniert – allerdings war mein Spieler Italiener“, lacht das Bottroper Fußball-Urgestein, obwohl bereits Jahrzehnte dazwischen liegen. Manche Dinge bleiben immer frisch. So zum Beispiel sein größtes Spiel als Trainer. „In der zweiten Liga musste ich mit dem 1. FC Mülheim beim BVB antreten. 1976 war das, und im Grunde wusste jeder Gegner, dass Du da nicht gewinnen kannst. Dortmund ist auch in diesem Jahr wieder unangefochten aufgestiegen. Da stehen wir da also, das Westfalenstadion brandneu. Sowas hatte man bis dato nicht gesehen. Und dann  40.000 Zuschauer“, weiß Bistrich noch wie gestern, der sonst Spiele mit seinen Jungs vor drei bis fünftausend Zuschauern hatte. „Jedes Mal wenn ich von der Trainerbank aufgestanden bin gab es ein riesiges Theater, 40.000 Zuschauer haben mich angeschrien und ausgepfiffen, ich sollte mich wieder hinsetzen. Das war schon toll. Irgendwann kam mein Spielführer zu mir gerannt und sagte:

Aufstieg als Co-Trainer mit Westfalia Herne (Bildquelle: www.westfalia-herne.de)

Trainer, unser Torwart zittert. Ich sag: Ja warum denn, ist der krank oder was?  Darauf: Ne, der hat schiss! Was willst Du da machen, da mussten wir halt alle durch. Die erste Halbzeit war furchtbar, da haben wir vier Stück bekommen. Die zweite Halbzeit haben wir 1:1 gespielt“, weiß Bistrich noch genau, dass er in der Kabine die richtige Ansprache für die zweiten 45 Minuten gehalten hatte. Es folgten Engagements bei Eintracht Duisburg, Rhenania, RWE A-Jugend, Fortuna Bottrop, Lohberg, Vonderort, Westfalia Herne und, und, und. In den Jahren 1981 und 1982 feierte er mit seinen Jungs, darunter Frank Schiel, Udo Hauner oder Patrick Notthoff zwei Mal den NRW-Meistertitel der Berufsschulen, seit 2003 ist Bistrich fester Bestandteil der Klaus Fischer-Fußballschule. Ein Leben für das runde Leder, das sich auch nach einer Herzmuskelentzündung Anfang der Achtziger Jahre nicht aus dem Takt bringen ließ. Jetzt ist der Horst wieder da, wo alles begann: beim SV Rhenania. Ob es die letzte Station werden wird? Wohl kaum…

Presseartikel zur Karriere von Horst Bistrich

Bilder zur Karriere von Horst Bistrich