Kathrin Heimann (Schiedsrichterin)
Die Gladbecker Fußballszene ist um eine Attraktion reicher geworden. Neben den beiden Bundesligaspielern Julian Draxler (FC Schalke 04) und Pierre-Michel Lasogga (Hertha BSC Berlin)gesellt sich eine Dame in den Kreis der hoffnungsvollen Talente aus Gladbeck. Anders als ihre beiden berühmten Mitbürger ist Kathrin Heimann über die Stadtgrenze Gladbecks hinaus etwas weniger bekannt.
Von Daniel Thiele
Abseits ist, wenn Kathrin Heimann pfeift!
Die 25-jährige Biologiestudentin geht nicht wie die beiden Offensivspieler in der Bundesliga auf Torejagd, stattdessen versucht sie Abseitspositionen, Schwalben und Foulspiele zu erkennen. Kathrin Heimann ist Schiedsrichterin und darf in der kommenden Saison die Spiele in der 1. Frauen-Bundesliga und der Männer NRW-Liga leiten.
Ihre Karriere begann die Gladbeckerin, die mittlerweile für den SV Zweckel pfeift, vor zehn Jahren bei Wacker Gladbeck als sie ein D-Jugendspiel führte. Mit 18 Jahren schaffte sie auf Anhieb den Sprung in den Seniorenbereich und startete ihre Laufbahn in der Kreisliga C - heutzutage werden junge Schiedsrichterinnen nicht mehr in der Kreisliga C eingesetzt und starten in höheren Ligen. „Ich musste noch durch die harte Schule gehen“, erinnert sich Kathrin Heimann an ihre ersten Spiele in den Kreisligen. „Als Frau bekommt man fast nur von den Zuschauern dumme Sprüche zu hören: Geh in die Küche ist äußerst beliebt. Die männlichen Spieler schlucken die meisten Sachen einfach, wohingegen die Frauen schon häufiger die Diskussion suchen.“
Innerhalb von kürzester Zeit brachte es die Gladbeckerin von der Kreisliga in die Frauenfußball-Weltspitze. In der Frauen-Bundesliga steht sie nun Nationalspielerinnen, WM-Gewinnerinnen und erfolgreichen Olympiateilnehmerinnen wie beispielsweise Nadine Angerer oder Lira Bajramaj gegenüber. „Es wird aber keine Sonderbehandlung für Nationalspielerinnen geben, auch wenn sie das vielleicht erwarten“, gibt Kathrin Heimann vorausschauend zu verstehen.
Bibiana Steinhaus
Die Bundesliga gehört zu den besten Ligen der Welt und hat daher auch die besten Unparteiischen wie zum Beispiel Bibiana Steinhaus, die noch im Juli 2011 das Finale der Frauen-Fußball Weltmeisterschaft leitete und in der 2. Männer Bundesliga den Ton angibt. „Bibi macht ihre Sache echt gut und da wo sie steht möchte ich auch hin, ein WM-Finale zu leiten ist ein großer Traum“, so Heimann über ihr Vorbild.
Kathrin Heimann sieht in ihrer Berufung auch den Lohn für ihre harte Arbeit: „Ich gehe mehrmals die Woche laufen, um mich fit zu halten, besuche regelmäßig DFB-Schulungen, absolviere Ärzte-Checks und jedes Wochenende pfeife ich ein Spiel und das nicht nur mal eben hier in der Nähe.“ Nur so funktioniert der Weg, um auf ein hohes Niveau zu kommen. Wie man im Spiel Australien gegen Äquatorialguinea bei der Frauen-WM 2011 gesehen hat, birgt der Frauenfußball auch Kuriositäten. Eine afrikanische Verteidigerin spazierte einige Zeit mit dem Ball in der Hand durch den Strafraum, jedoch verweigerte die Schiedsrichterin den fälligen Strafstoß. „In den meisten Ländern gibt es im Frauenfußball keinen Ligabetrieb, so dass sich die Schiedsrichterinnen auch nicht jedes Wochenende beweisen müssen oder wie hier in Deutschland bewertet werden“, begründet Heimann diese Fehlentscheidung.
Die positiven Bewertungen über die Leistungen der Gladbeckerin bescherten ihr einen rasanten Aufstieg im Schiedsrichterdasein. Beginnend in der Kreisliga C konnte sie sich jedes Jahr in die nächst höhere Liga pfeifen. Lediglich vor der vergangenen Saison stagnierte ihre Karriere kurzzeitig, als Marcel Neuer, der Bruder von Nationaltorwart Manuel Neuer, den Vorzug auf den Aufstieg in die NRW-Liga bekam. Den Schritt hat Kathrin Heimann mit einjähriger Wartezeit nun ebenfalls gemeistert und sieht sich jetzt vor weiteren Sprüngen auf ihrer Karriereleiter: „Die nächsten Schritte sind im Frauenbereich den Aufstieg zur FIFA-Schiedsrichterin zu schaffen und im Männerfußball sollte die Regionalliga in absehbarer Zeit machbar sein.“
Auf'm Platz wünscht Kathrin Heimann für ihre weitere Laufbahn alles Gute und viel Erfolg.




