Fortuna Bottrop peilt ruhige Saison und einstelligen Tabellenplatz an

So eng war es beim SV Fortuna seit dem Bezirksliga-Aufstieg 2013 nicht. In der vergangenen Saison entgingen die Bottroper dem Abstieg in die Kreisliga A nur um Haaresbreite. Bis in die Saisonschlussphase mussten sie um den Klassenerhalt kämpfen. Erst am 32. Spieltag gab es die Entscheidung. Die Fortuna besiegte durch Tore von Justin Straßek (2) und Dominic Licata den SV Adler Osterfeld mit 3:2 und sicherte sich so den Verbleib in der Bezirksliga. Am Ende reichte es sogar noch zu Platz zehn. „Es war sehr zerrissen“, resümiert Trainer Marco Hoffmann, der die häufigen Ausfälle in der Abwehr und die damit verbundenen Änderungen als Ursache ausmacht. „Es gab nur zwei Phasen, in denen wir regelmäßig gepunktet haben. Das wird in diesem Jahr sicherlich nicht ausreichen“, sagt Hoffmann. Das Ziel der Fortuna ist deshalb eine entspannte Saison, in der die Abstiegsplätze von Beginn an auf Distanz gehalten werden sollen. In den ersten fünf Partien hat die Fortuna zumindest einen erfolgreichen Start hingelegt. Nach der Derbyniederlage zum Auftakt gab es zwei Unentschieden und zwei Siege.

Nico Große-Beck spielt jetzt in der Landesliga für Arminia Klosterhardt

Gino Pöschl spielte zuletzt für die A-Jugend von RW Oberhausen in der Bundesliga West.

In der Sommerpause hat sich bei der Fortuna ziemlich wenig getan. Nur zwei Spieler haben die Mannschaft verlassen: Christoph Isaias und Nico Große-Beck. Allerdings waren es zwei wichtige Spieler. Insbesondere Nico Große-Beck sorgte in der Fortuna-Offensive immer wieder für Furore, geht aber mittlerweile für den Landesligisten Arminia Klosterhardt auf Torejagd. „Mit Nico haben wir natürlich große Qualität verloren“, gibt Hoffmann den Verlust zu. Der Trainer glaubt aber auch, einen passenden Ersatz gefunden zu haben: „Gino Pöschl ist ein sehr guter Fußballer. Er kann Nicos Abgang auffangen, weil er auf dem Platz auch charakterlich ähnlich ist. Er ist ein richtiger Glücksgriff, der sicherlich auch noch höher spielen könnte.“ Pöschl spielte in der Jugend mehrere Jahre für Fortuna Düsseldorf. Im letzten Jahr spielte er für die U19 von RW Oberhausen in der Bundesliga West. Während der Abgang von Große-Beck mit dem neuen Mittelfeld-Regisseur kompensiert werden soll, gibt es für Isaias keinen direkten Nachfolger. „Wir können ihn aber intern ersetzen“, meint Hoffmann, der einen zweiten Spieler in die Mannschaft integrieren musste. Yannick Wykrota, der in der Jugend schon für den SV Fortuna gespielt hatte, kehrte nach einem Jahr bei der A-Jugend von BW Fuhlenbrock nach Rheinbaben zurück. „Yannick hat mich bisher positiv überrascht“, gesteht der Fortuna-Trainer. „Er macht einen super Eindruck, hat richtig Spaß und fühlt sich wohl bei uns.“ Außerdem kam Konrad Noack vom FC Karnap und Benedikt Kracke, der zuletzt bei den Alten Herren der Fortuna gespielt hatte, ist auch wieder dabei. Insgesamt ist Hoffmann mit seinem Kader zufrieden. „Ich hätte zwar gerne noch ein, zwei Spieler dabei gehabt, aber der Kader ist gut. Ich habe auch noch einige A-Jugendliche auf dem Schirm.“ Der SV Fortuna schickt in dieser Saison nämlich wieder eine U19 ins Rennen.

Fortuna-Spiele ab Oktober live im Internet

Die neue A-Jugend ist allerdings nicht die einzige Neuerung beim SV Fortuna Bottrop. Die Fortuna möchte sich auch in den neuen Medien stärker präsentieren. Henning Ritter ist der Medienbeauftragte bei der Fortuna, die seit dieser Saison vor und nach den Spielen eine kurze Pressekonferenz abhält und den Mitschnitt auf der Facebook-Seite hochlädt. „Das Format hat sich perfekt geeignet“, erklärt Ritter. „Wir haben viele Partner gefunden, die sich für mehr mediales Engagement interessiert haben und konnten ihnen damit eine weitere Bühne geben. Außerdem ist es auch für die Fans gut. Sie wissen dann, wer alles am Sonntag spielen kann oder erfahren – wie am vergangenen Spieltag bei Marius Dyballa – wie es einem verletzten Spieler geht.“ Diese Pressekonferenz wird von anderen Vereinen belächelt. Die SF Königshardt kommentierten bei Facebook zuletzt: „Pressekonferenz ohne Presse…“, nachdem Trainer Hoffmann von einem Fortunen interviewt wurde. Ritter findet die Idee weiterhin gut: „Die Vereine, die uns belächeln, haben vielleicht gar nicht die Möglichkeit, so etwas zu machen. Außerdem geben uns die Zahlen und die Reichweite Recht. Wir gehen den richtigen Weg.“ Eine zweite große Neuerung ist die Live-Übertragung der Spiele auf Rheinbaben im Internet. Das Essener Unternehmen Soccerwatch hat eine Kamera angebracht, die alle Spiele automatisch aufnimmt und überträgt. „Wir hatten schon lange den Plan, so etwas umzusetzen und Soccerwatch ist der richtige Partner“, erzählt Ritter. „Medial verbessern wir uns damit auf jeden Fall. Einerseits können Spieler und Trainer die Spiele im Nachhinein noch einmal schauen. Andererseits können Fans, die weiter weg wohnen die Spiele ebenfalls verfolgen. Felix Passlack wird sich sicherlich auch freuen.“


Auf’m Platz sprach mit Trainer Marco Hoffmann

Auf’m Platz: „Hallo Marco, wie bewertest du mit einiger Zwischenzeit die vergangene Spielzeit?“
Marco Hoffmann: „Ich habe für die vergangene Saison keine Worte. Mir fehlen da heute noch die Worte. Es gab zwei Phasen, wo wir unsere Punkte geholt haben, einmal kurz vor Weihnachten und dann kurz vor Ende der Saison. Da haben wir mal einige Wochen am Stück gepunktet. Ansonsten war es sehr zerrissen. Ich war meistens schon froh, wenn zwei Spieler aus dem Defensiv-Verbund in zwei Spielen hintereinander dabei waren. Das war häufig nämlich nicht so und wir mussten viel ändern und gezwungen rotieren. Wir konnten uns also nie wirklich einspielen. Das ist ein Grund für die vielen Gegentore. In diesem Jahr geht es leider schon wieder so los. Es fallen wieder Woche für Woche neue Spieler aus. Justin Straßek hat sich schon in der Vorbereitung so schwer verletzt, dass er mindestens die gesamte Saison fehlen wird.“

Trainer Marco Hoffmann.

Auf’m Platz: „Wie stark siehst du die Bezirksliga in diesem Jahr?“
Hoffmann: „Als ich zum ersten Mal die Einteilung gesehen habe, ist mir der Kaffee im Hals stecken geblieben. Ich habe keine Angst vor dieser Gruppe, aber sie ist sehr interessant. Ich hatte mir sogar gewünscht, dass wir mit den Bocholter Mannschaften in einer Gruppe spielen. Ich denke, dass diese Liga sehr ausgeglichen ist. Zwei Phasen wie im vergangenen Jahr werden da nicht reichen. Wir müssen immer fokussiert sein. Häufig trainieren wir auf einem hohen Niveau, aber sonntags fehlt dann die Kür. Das wollen wir in diesem Jahr besser machen. Bei vielen Vereinen kommen die Leute nicht zum Training. Bei Fortuna ist das anders. Da sind 25 Mann beim Training, aber nur 13 beim Spiel, weil alle durch die Arbeit und Verletzungen fehlen.“

Auf’m Platz: „Was sind eure Ziele für die Saison?“
Hoffmann: „Wir sind im Trainerstab alle derselben Meinung. Wir wollen einen einstelligen Tabellenplatz erreichen. Bei unserer Qualität muss das einfach das Ziel sein. Wenn ich mir andere Mannschaften angucke, die viel Geld investieren, um einen guten Kader zu haben, dann sind das die ersten fünf oder sechs Mannschaften. Danach wollen wir dann aber kommen. Wir wünschen uns zwar keine entspannte Saison, aber wir wollen nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben. Erst recht nicht mehr nach der vergangenen Saison, wo wir ganz nah dran waren.“

Hoffmann: „Wir sind wie das kleine Sankt Pauli von Bottrop.“

Auf’m Platz: „Was macht Fortuna Bottrop so besonders?“
Hoffmann: „Fortuna Bottrop ist für mich ein kleines Sankt Pauli. Hier ist einfach alles anders. Es ist beispielsweise schwierig, neue Spieler zu finden. Wir sind seit Jahren eine eingeschworene Truppe, ein sehr gutes Team. Einige haben Angst, dass sie nicht in die Mannschaft reinkommen. Das ist aber einfach nicht so und das sieht man auch wieder an den Neuzugängen in diesem Jahr. Yannick Wykrota zum Beispiel hat sich gleich eingelebt und fühlt sich sehr wohl. Für die Leute hier im Eigen ist Fortuna Bottrop auch ein wichtiger Treffpunkt. Heimspiele sollen Heimspiele sein. Die Zuschauer wollen Einsatz sehen und wir wollen zeigen, dass die Jungs im Spiel alles gegeben haben. Wir wollen ein Statement abgeben und alles reinwerfen. Das ist das Wichtigste. Im besten Fall behalten wir dann noch drei Punkte hier.“


Saison 2017/2018

SV Fortuna Bottrop


Transfers

Zugänge:
Yannick Wykrota (BW Fuhlenbrock A-Jugend), Gino Pöschl (RW Oberhausen A-Jugend), Konrad Noack (FC Karnap), Benedikt Kracke (reaktiviert)

Abgänge
Christoph Isaias (VfB Kirchhellen), Nico Große-Beck (Arminia Klosterhardt)


Kader

Torwart
Danny Große-Beck, Colin Rosenkranz, Marcel Backhaus

Abwehr
Kevin Miszczuk, Christopher Horstmann, Thilo Grollmann, Sebastian Schumann, Said Faddahi, Norman Hassenrück, Matthias Beckfeld, Yannick Wykrota, Kevin Wenderdel, Dominic Licata, Jeffry Tatuhey, Konrad Noack

Mittelfeld
Dominik Wenderdel, Marcel Leidgebel, Marius Dyballa, Tim Strickerschmidt, Justin Straßek, Gino Pöschl, Volkan Sahin, Timo Büscher, Benedikt Kracke

Angriff
Fabian Böhnke, Marc Skowronek, Anel Mlinarevic

Trainer
Marco Hoffmann


Ligastart

13.08. VfB Bottrop 1:2
16.08. Hamminkelner SV 1:1
20.08. Adler Osterfeld 2:2
27.08. SV Haldern 1:0
03.09. SF Königshardt 2:1

Testspiele

16.07. VfL Schwerte 0:2
21.07. VfB Bottrop II 1:3
22.07. FC Sterkrade 72 3:3
30.07. SV Zweckel 0:1
06.08. SuS GW Barkenberg 4:0