Appelt: „Abstieg war nach der Hinrunde besiegelt.“

Drei Jahre lang hielt sich der SV Zweckel, nach dem sensationellen Doppelaufstieg 2012 und 2013, in der Oberliga. Hielten die Gladbecker sich in der ersten Saison noch recht ordentlich, kämpfte man fortan gegen den Abstieg. Ein Punkt Vorsprung im Jahr 2015, war es in der abgelaufenen Spielzeit schon etwas deutlicher, wenngleich eine „beachtliche“ Rückrunde schlimmeres verhinderte. Für den Start in die Westfalenliga ging es für Trainer Günter Appelt erst einmal darum, wie auch schon im Jahr davon, einen Umbruch zu bewältigen. Die Saison begann ernüchternd für den SV Zweckel. 1:4 bei der Zweitvertretung des DSC Arminia Bielefeld. Eine Woche später rehabilitierten die Gladbecker sich und schickten den ASC 09 Dortmund, jener Klub, der die Appelt-Elf mit einem Erfolg am letzten Spieltag der Saison 2014/15 Schützenhilfe leistete, mit 4:1 nach Hause. Die Hoffnung auf eine ordentliche Hinserie keimte auf, doch was zu diesem Zeitpunkt keiner ahnte, es sollte für lange Zeit der letzte Sieg sein. Vier Punkteteilungen kamen bis zum Jahresende noch hinzu, sodass lediglich sieben Punkte zu Buche standen. Eine Mammutaufgabe für Trainer Günter Appelt, der nach 16 Zu- und 13 Abgängen im Sommer, im Winter erneut mit einer ordentlichen, wenn auch geringeren, aber weiß Gott nicht leichteren, Fluktuation zu kämpfen hatte. So verließ unter anderem Jan Terhorst, bis dahin Kapitän der Grün-weißen, das sinkende Schiff. Im zweiten Saisonabschnitt sammelte die Mannschaft von der Dorstener Straße dann dreimal so viele Zähler, gereicht hat es trotzdem nicht.

Drei Sieg am Stück? Das gelang zuletzt vor 2,5 Jahren.

Mit vier Toren bisher erfolgreichster Torschütze des SV Zweckel: Lukas Kratzer.

„Wir haben im Sommer Leute geholt, die im Nachhinein nicht in die Mannschaft gepasst haben. Viele haben dazu beigetragen, dass wir keine positiven Schlagzeilen geschrieben haben. Im Winter haben wir uns von vielen getrennt und frisches Blut ins Boot geholt. Leider hat es nicht gereicht, obwohl wir gute Ergebnisse erzielt haben, wie zum Beispiel das 3:0 am letzten Spieltag gegen den TSG Sprockhövel. Mit etwas mehr Glück wäre vielleicht auch der Klassenerhalt drin gewesen“, blickt Appelt auf die abgelaufene Saison zurück. Die Hoffnung auf etwas mehr Glück beziehungsweise die Ansicht etwas mehr Glück hätte den Verbleib in der Oberliga bedeuten könnten, kommt nicht von ungefähr. Eine 2:4-Niederlage zum Jahresauftakt folgten drei Siege am Stück. Dieses Kunststück gelang den Gladbeckern zuletzt in der Saison 2013/14, dort aber gleich zweimal. Doch diese Serie konnte nicht fortgesetzt werden. In den verbleibenden 15 Spielen, wovon eines noch der Hinrunde gut zu schreiben ist, ging der aktuelle Tabellenelfte der Westfalenliga, elf Mal als Verlierer vom Platz. Besonders bitter waren die Niederlagen gegen Mitabsteiger SV Schermbeck sowie den lange Zeit im Keller stehenden SuS Stadtlohn. Ende Mai wies die Tabelle, die ja bekanntlich nie lügt, einen Rückstand von acht Zählern auf, wodurch klar wurde, dass es etwas mehr gebraucht hätte als Glück um die Gladbecker in der Oberliga zu halten.

Doch das ist Schnee von gestern. Inzwischen ist die neue Saison drei Spieltage alt, von denen der SV Zweckel die ersten beiden verlor, am letzten Sonntag jedoch den ersten Dreier einfuhr. Fabio Sardini und Lukas Kratzer legten den Grundstein für den ersten Saisonsieg. Kratzer war es auch, der zum Auftakt gegen Bad Westernkotten doppelt traf und einen Rückstand zur Führung umwandelte, die die Gladbecker allerdings wieder abgaben.  „Es war nicht wirklich verdient“, resümierte Zweckels Trainer Günter Appelt. „Wir waren in der ersten Halbzeit total dominant und sind nur unglücklich in Rückstand geraten. Aber wir haben das Spiel dann ja sogar gedreht. Wir haben aber verpasst, das dritte Tor nachzulegen“, resümierte Appelt das 2:3 zum Auftakt. Das erste Heimspiel ging noch deutlicher verloren. Fünf Gegentore schenkte Aufsteiger BSV Roxel Keeper Jean-Luc Kölle ein, Zweckel war nur zweimal erfolgreich. Der Aufsteiger schlägt den Absteiger mit 5:2. Ein Ergebnis das auf dem Papier sicherlich für einige staunende Gesichter sorgt, vielleicht auch zu hoch ausgefallen ist, doch aufgrund des erneuten Umbruchs durchaus realistisch einzuschätzen ist. Denn: Nur sechs Akteure hielten den Gladbeckern die Treue, 13 neue Spieler mussten integriert werden.

Eine Aufgabe die viel Zeit und Geduld in Anspruch nimmt. „Das wird sehr, sehr schwer. Wir sind definitiv nicht so weit wie anderen. Durch die Urlauber hatten wir den kompletten Kader zur Verfügung. Um eine Bewertung abzugeben, müssen wir die ersten sieben bis acht Spiele abwarten, doch die Mannschaft gibt Gas, Einsatz, Biss und Wille sowie Harmonie innerhalb der Mannschaft sind vorhanden. Ob wir die nötige Qualität haben, wird sich zeigen, aber die jungen Leute sind wissbegierig und wollen lernen“, so Appelt. Damit diese Bewertung positiv ausfällt wird in Gladbeck an der Dorstener Straße tagtäglich trainiert, gespielt wird jedoch ab sofort und vorerst bis zum Winter im Wittringer Stadion an der Burgstraße. Mit dabei ist auch wieder Kapitän Norman Seidel, der sich in der Vorbereitung eine Verletzung an der rechten Hand zuzog und beim Sieg gegen Clarholz erstmals wieder auf dem Platz stand. Die Testspielbilanz des Westfalenligisten fiel ernüchternd aus, nur ein Sieg in fünf Testspielen. Appelt ist egal: „Ich werde die Freundschaftsspiele nicht bewerten. Wir haben viel gewechselt, deshalb hat das nur eine untergeordnete Bewertung. Wichtig ist, dass ein taktisches Verhalten zu erkennen ist und man sieht woran man noch arbeiten muss.“


Auf’m Platz sprach mit Trainer Günter Appelt

Auf’m Platz: „Hallo Günter, was war für dich der Hauptgrund für den Abstieg?“
Günter Appelt: „Wir haben in diesmal nicht die nötige Qualität erreicht. Wir haben und konnten nicht die Spieler geholt, die wir haben wollten und deshalb mussten wir den Abstieg leider hinnehmen. Als Mannschaft mit dem kleinsten Etat ist es schwer sich gegen finanzstarke Vereine durchzusetzen. Viele Spieler hatten keine Oberligaqualität und in dieser Liga muss man auch selber was für sich tun und nicht nur im Training. Da muss man sich für den Sport opfern und davon gab es zu wenige, zu wenige die sich damit identifizierten. Wir hatten Spieler im Kader, die nirgendswo Oberliga gespielt haben und dieser dementsprechend nicht Oberligatauglich war. Zudem hat es bei vielen menschlich einfach nicht gepasst.“

Auf’m Platz: „Im Winter habt ihr dann noch einmal neu angegriffen?“
Günter Appelt: „Genau, da haben wir uns von vielen getrennt, einige mussten gehen, einige sind freiwillig gegangen und wir haben uns gute Jungs dazu geholt. Wir sind auch gut rausgekommen aus der Winterpause. In den nachfolgenden Spielen war auch viel Pech dabei, unter anderem beim 1:3 gegen Lippstadt. Doch ich habe stets an den Klassenerhalt geglaubt. Nach den Spielen gegen Schermbeck und Stadtlohn, wo wir sehr schlecht waren und auch verloren haben, wurde es dann schwerer mit dem Ligaverbleib. Hätten wir aus diesen beiden Partien vier Zähler geholt, dann hätten wir die Klasse gehalten. Gänzlich unzufrieden, bin ich mit der Rückrunde aber nicht.“

Appelt: „Ziel? Die junge Mannschaft an die Westfalenliga gewöhnen.“

Trainer Günter Appelt.

Auf’m Platz: „Welche Fehler sind euch in der abgelaufenen Saison unterlaufen?“
Günter Appelt: „Wir haben uns vom Kader in der Hinrunde zu viel leiten lassen, weil wir meinten das dieser Qualität bringt. Doch die Spieler haben maßlos enttäuscht. Es war keine Gemeinschaft in der Mannschaft, zudem hatten wir keinen richtigen Torhüter in der Hinrunde, der uns hätte Rückhalt geben müssen. Einige Spieler haben wir und die sich selbst maßlos überschätzt, die hätten wir nicht zu uns holen sollen. Doch darauf lernt man. Da muss ich mir den Schuh anziehen, dass wir falsche Spieler geholt haben. Wir hätten gerne andere geholt, doch dafür hatten wir nicht die finanziellen Mittel. Wir wollten nicht über unsere Verhältnisse leben.“

Auf’m Platz: „Welche Änderungen ergeben sich mit dem Abstieg für den Verein und das Umfeld?“
Günter Appelt: „Außer das der Aufwand ein anderer ist, keine. Der Verein ist weiterhin das Aushängeschild der Stadt. Das Budget haben wir noch weiter nach unten gefahren. Umso erstaunlicher ist das Ergebnis, denn mit den wenigen Mitteln ist es nicht einfach in der Oberliga sowas auf die Beine zu stellen. Da kann man nur den Hut vorziehen, vor den ganzen ehrenamtlichen Mitarbeitern, die für den Verein tätig sind.“

Auf’m Platz: „Welches Ziel habt ihr euch auf die Fahne geschrieben?“
Günter Appelt: „Auf jeden Fall nicht den direkten Wiederaufstieg. Ich habe keine hohen Erwartungen. Vorrangig gilt es die junge Mannschaft an die Westfalenliga zu gewöhnen und aus den sechs verbliebenden und vielen Neuzugängen eine Mannschaft zu formen. Wir wollen diese Saison nutzen um uns einzuspielen, wenn dabei eine gute Platzierung heraus springt, umso besser. “

Auf’m Platz: „Wie schätzt du eure Gruppe ein?“
Günter Appelt: „Wir treffen auf alte und neue Vereine, auf die wir uns besonders freuen. Generell bin ich ganz zufrieden, aber in erster Linie geht es für uns darum, in dieser Liga richtig anzukommen. “

Auf’m Platz: „Gibt es trotz des Abstieges irgendwas positives, was man aus der letzten Saison mitnehmen kann?“
Günter Appelt: „Nicht wirklich, so ein Abstieg ist schon schlimm genug, aber wenn, dann die Tatsache, dass sechs Leute da geblieben sind. Natürlich hätten wir gerne noch vier bis fünf mehr behalten, doch aufgrund der eingeschränkten Finanzen war dies nicht möglich. Aber darauf kann man aufbauen. Wir sind froh, dass diese Spieler beschlossen haben, dem Verein treu zu bleiben, obwohl sie Angebote von höherklassigeren Teams hatten. Das sind Spieler, die die Mannschaft nicht einfach so verlassen und auch in schlechten Zeiten da bleiben.“


Saison 2016/17

SV Zweckel


Transfers

Zugänge:
Albert Alex (vereinslos), Hendrik Gottschalk (SV Dorsten-Hardt), Jean Luc Kölle (TV Jahn Hiesfeld), Tobias Krause (Sterkrade 06/07), Mirac Ontürk (VfB Hüls), Mahmut Akbaba (YEG Hassel), Pascal Vasic (SV Dorsten-Hardt), Maurice Hörter (TV Jahn Hiesfeld), Wale Afees Arogundade (TuS Essen-West), Lukas Kratzer (TV Jahn Hiesfeld), Haris Imsirovic (RW Oberhausen)

Abgänge:
Hatim Bentaleb (TSG Sprockhövel), Marvin Schulz, Joshua Denk (beide SF Stuckenbusch), Tim Nikolay (SF Königshardt), Pfer Radojcic, Devin Müller (beide ETB SW Essen), Muhamed Demir, Pascal Schulz-Knop, Dennis Konarski (alle SpVgg Erkenschwick), Jonas Schmidt, Marcel Titz (beide SC Hassel)


Kader

Kaderüberischt folgt!


Testspiele

17.07. Westfalia Osterwick 4:1
21.07. GA Möllen 0:3
28.07. RW Deuten 2:2
04.08. VfB Bottrop 1:1
07.08. SV Dorsten-Hardt 0:1