Kommentar: Die Gewalt im Amateurfußball gegen Spieler und Schiedsrichter

In den letzten Monaten häuft sich die Gewalt auf den Sportplätzen. Diese Attacken gehen sowohl gegen die Spieler, als auch gegen die Schiedsrichter. Wir haben das Thema in dem nachstehenden Kommentar etwas aufgearbeitet.

Woche für Woche steht der Amateurfußball im Mittelpunkt. Doch in den letzten Monaten häufen sich die negativen Schlagzeilen. Blicken wir mal 25-30 Jahre zurück. Da war ich selbst aktiver Fußballer und fuhr sonntags voller Elan und Freude zum Spiel, um einen erfolgreichen Sonntagnachmittag mit meiner Mannschaft zu haben. Der Gedanke an Ausschreitungen oder Attacken gegen Spieloffizielle war da ein absolutes Fremdwort. Wir gingen auf den Platz um erfolgreich zu sein und Spaß zu haben. Nach dem Spiel wurde zusammen noch stundenlang gefeiert, diskutiert und man ließ den Spieltag in Ruhe ausklingen.

Kommen wir in der Gegenwart an. Nach aktuellen Angaben des DFB kommt es in 5 von 10000 Spielen zu Gewaltaktionen. Klingt erstmal nicht viel, rechnet man diese Zahl aber auf ca. 80.000 Spiele je Wochenende, dann kommt da schon eine Anzahl an Spielen heraus, wo das Gewaltpotential ausgeschöpft wird. Besonders im FVN kam es in den letzten Jahren bereits zu extremen Gewaltaktionen auf den Sportplätzen. In Essen wurden bereits mehrere Spieler lebenslang gesperrt, nach dem diese in einem Fall den Schiedsrichter erst zu Boden gestreckt und dann noch auf diesen eingetreten haben. Hier hat die Spruchkammer des Kreis Essen entsprechend hart durchgegriffen und eine lebenslange Sperre ausgesprochen. Hiermit wurde ein klares Zeichen für die Zukunft gesetzt, an dem sich auch die anderen Kreise des FVN richten sollten. Spieler die auf dem Platz Gewalt ausüben, gehören lebenslang gesperrt und nicht nur 2 oder 3 Jahre. Aber hier sind dann auch die Vereine in der Pflicht. Warum nimmt ein Verein einen Spieler auf, der bereits in der Vergangenheit durch Gewaltaktionen auffiel und bereits eine lange Sperre abgesessen hat. Gebt diesen Spielern keine Chance mehr unseren Amateurfußball kaputt zu machen.

Der Spielbetrieb im Amateurfußball braucht uns Schiedsrichter. Sicherlich sind wir Schiedsrichter in den unteren Klassen keine Profis, aber auch wir geben jeden Sonntag unser Bestes, um die Partien auf den Sportplätzen vernünftig zu leiten. Fehler sind menschlich und passieren sowohl den Spielern, als auch uns Schiedsrichtern. Von uns Schiedsrichtern wird erwartet eine Spielsituation innerhalb von Sekunden zu beurteilen und eine Entscheidung zu treffen. In der Bundesliga schaut man sich entsprechende Situation minutenlang im Videobeweis an und ist sich selbst dann nicht schlüssig, ob die Entscheidung korrekt war. Wie sollen wir alleine diese Situationen immer 100% korrekt beurteilen? Was kann ein Schiedsrichter dafür, wenn eine Mannschaft über 90 Spielminuten 80% Fehlpässe produziert, dann der Schiedsrichter eine Entscheidung gegen diese Mannschaft trifft und somit für den Ausgang des Spiels verantwortlich ist? Was können wir Schiedsrichter für den Unmut der Trainer oder Verantwortlichen, wenn das eigene Team auf dem Platz nicht funktioniert? Wir Schiedsrichter müssen uns in den unteren Klassen für 17-30 Euro Aufwandsentschädigung beleidigen, bedrohen und schlagen lassen? Wenn alle von draußen und auf dem Feld es besser wissen, dann nehmt selbst mal die Pfeife in die Hand und leitet ein Spiel über 90 Spielminuten, danach können wir uns gerne wieder unterhalten. Nur gemeinsam können wir durch Respekt dem anderen gegenüber Sonntag für Sonntag die Spiele vernünftig leiten. Akzeptanz sollten beide Seiten zeigen. Auch ein Schiedsrichter darf zu einem Fehler stehen. Lasst uns den Sport nicht kaputt machen, sondern versuchen gemeinsam mit Spielern, Trainern und Verantwortlichen einen Weg zu finden, dass wir sonntags sportliche Erfolge erzielen und keine Boxkämpfe auf den Sportplätzen passieren.

Nimmt man den Fall aus Essen aus dem letzten Jahr, wo ein Spieler seinem Gegenspieler einfach mal eben die halbe Nase abbeißt. Was bitte hat das noch mit Fußball zu tun? Stellt euch alle die Frage, warum gehe ich nicht Elan ins Spiel, anstatt mit einem voreingestellten Gewaltpegel. Ein weiterer Fall in der jüngsten Vergangenheit zeigt auch, dass Zuschauer (Eltern) auch nicht davon abgeneigt sind, ins Geschehen einzugreifen. So kam es bei einem Jugendspiel zu handgreiflichen Aktionen zwischen Spielern und Zuschauern (Eltern der spielenden Kinder). Die Polizei musste mit mehreren Mannschaftswagen anrücken, um das Geschehen in den Griff zu bekommen. Hier war nicht der Schiedsrichter der Auslöser, sondern die Spieler und Zuschauer. Was hat das mit unserem Hobby zu tun?

Im aktuellsten Fall aus dem Kreis Moers wurde vor Wochen ein Schiedsrichter geohrfeigt, weil der Spieler vom Schiedsrichter verwarnt werden sollte. Wo ist da die Akzeptanz? Der Spieler wurde mit einer Sperre von 3 Jahren belegt. Müssen und wollen wir alle solche Szenen auf den Sportplätzen erleben? Warum bekommen die Vereine hohe Strafen, weil Sie keine Schiedsrichter stellen? Die Frage klärt sich von alleine. Hättet ihr Lust euch diesen Umständen Woche für Woche auszusetzen? Wir müssen alle an uns arbeiten, damit unser Hobby nicht irgendwann aufgegeben werden muss, weil keine Spielleitungen mehr erfolgen. Lasst uns miteinander vernünftig und fair umgehen.