Teichert und Lepori sanierten den VfB Bottrop II

Im vergangenen Sommer glich die Zweitvertretung des VfB Bottrop einem reinen Scherbenhaufen. Die Saison in der Kreisliga A konnten die Bottroper auf Grund von Personalproblemen nicht zu Ende bringen, die Mannschaft wurde frühzeitig vom Spielbetrieb abgemeldet und der Abstieg in die Kreisliga B war damit besiegelt.

Kurz vorher wurde der Vorstand im Jahnstadion neu aufgestellt und die beiden Hauptverantwortlichen Gündüz „Jupp“ Tubay und Erdogan Kaya schrieben sich ambitionierte Ziele auf die Fahne. Das Ruder musste rumgerissen werden. Dafür wurden Daniele Lepori und Alexander Teichert für die Zweitvertretung als Trainerteam verpflichtet.

Ruhrpottkicker Ur-Gestein im neuen Dress

Für Teichert ist es die erste Trainerstation, für Lepori die erste externe. Gefühlt sein Leben lang war er als Vorsitzender der Batenbrocker Ruhrpott Kicker aktiv, in dieser Zeit sprang er auch immer wieder als Trainer in die Bresche. „Es war sehr ungewohnt mit neuem Emblem auf der Brust“, musste Lepori zugeben. „Allerdings bin ich in einer ganz anderen Funktion unterwegs und konnte mich schnell dran gewöhnen“. Gewöhnen konnte sich Lepori wohl auch daran, dass er sich in seinem neuen Verein den Fokus komplett auf nur eine Aufgabe legen kann. Schließlich war er bei den Batenbrocker als Mädchen für alles Bekannt, ehe er sein Aus verkündete. „Batenbrock habe ich ad acta gelegt. Es war eine super schöne Zeit, aber ich möchte nicht mehr nach hinten schauen. Die Gegenwart beim VfB Bottrop ist einfach super und ich kann mich das erste Mal komplett auf die Aufgabe des Trainers konzentrieren.“

Lepori: „Mir war nicht bewusst, dass die Situation so gravierend war.“

Die Konzentration schien sich bezahlt zu machen. Aus dem Nichts stampften Teichert und Lepori eine schlagkräftige Mannschaft für die Kreisliga B aus dem Boden, auch wenn die Situation für das Duo überraschend kam. „Mir war nicht bewusst, dass die Situation so gravierend war“, verriet Lepori. Doch vor der Herausforderung wegzulaufen war keine Option und so stellte sich das Trainerduo der Situation und begab sich auf Personalsuche. Genügend Spieler zu verpflichten gelang dem Duo, doch die Herausforderung lag woanders: „Das schwierigste ist es ohne Wenn und Aber daraus ein Team zu machen“, so der emsige Italiener.

Ein Blick auf die Tabelle der Kreisliga B2 verrät, dass es dem Duo wohl schon sehr gut gelungen ist ein Team zu formen. Der VfB Bottrop II überwintert auf dem vierten Tabellenplatz, drei Punkte hinter dem Tabellenzweiten VfR 08 Oberhausen II. Zwischenzeitlich waren es sogar schon neun Punkte Rückstand, doch vor der Winterpause starteten die Bottroper eine Serie mit vier Siegen unteranderem gegen den Konkurrenten VfR 08 II und verkürzten somit den Abstand auf drei Zähler. „Wir sind zufrieden, auch wenn wir an vielen Stellen Punkte liegen lassen haben“, übt Lepori Kritik. „Wenn ich überlege, wo wir jetzt stehen würden, wenn wir diese Punkte geholt hätten“, kommt er etwas ins Träumen. Doch die Realität holt den Übungsleiter schnell ein. „Es ärgert einen natürlich schon, wenn man die Punkte liegen lässt, aber wenn man die Voraussetzungen betrachtet, haben wir bei null angefangen und können zufrieden sein“.“

Trainerduo backt kleine Brötchen bei großen Erwartungen

Doch darauf Ausruhen, das kommt für Lepori nicht in Frage. „Wir haben in allen Belangen noch Luft nach oben“, erklärt er. Derzeit befinden sich die Mannen aus dem Jahnstadion in der Vorbereitung auf die anstehenden Rückrunde, die bisherigen Fortschritte stimmen Lepori zufrieden: „Wir sehen jetzt in der Vorbereitung, wie viel weiter wir schon sind als im Sommer.“

Die daraus resultierenden Erwartungen steigen natürlich auch mit dem steigenden Fortschritt. Der runderneuerte Vorstand des VfB Bottrop ist dafür bekannt die Messlatte hoch anzusetzen, doch für das Duo scheint dies kein Problem zu sein: „Klar wurden im Vorfeld sehr ambitionierte Ziele vom Vorstand und dem Umfeld ausgesprochen, aber wenn man sieht welche Voraussetzungen wir vorgefunden haben, ist es schwierig auf Teufel komm raus zu sagen wir wollen aufsteigen“, backt Lepori lieber kleine Brötchen, auch wenn er von seinen Mannen viel erwartet: „Ich gehe sehr motiviert als Trainer in jedes Spiel und erwarte auch von den Jungs, dass sie jedes Spiel gewinnen wollen. Wir haben es geschafft eine Mannschaft zusammenzustellen und schauen dann wo wir am Ende landen.“

Den Wiederaufstieg nimmt Lepori nicht in den Mund, allerdings kennt er natürlich auch die Tabellenkonstellation. „Es wäre frech zu sagen, dass wir jetzt fünfter werden wollen. Wir sind drei Punkte hinter dem zweiten und schielen natürlich auf den Platz. Die Konstellation ist auch sehr gut, so können wir unsere Vorbereitung ambitioniert durchziehen.“ 

Lepori: „Ich glaube es wächst was richtig Gutes zusammen.“

In der laufenden Vorbereitung gilt es für die Übungsleiter auch wieder Neuzugänge zu integrieren. Sieben (!) Neuzugänge sind im Winter zu dem B-Ligisten gestoßen. „In der Breite sind wir jetzt besser aufgestellt und können jetzt auch endlich mit zwei Torhütern in die Rückrunde gehen“, freut sich Lepori. Mit Marvin Burow kommt ein motivierter Torhüter von den Welheimer Löwen ins Jahnstadion und füllt damit eine große Lücke. Denn zwei Torhüter des VfB brachen sich im selben Testspiel vor der Saison die Hand und fielen aus. „Wir hatten fünf oder sechs verschiedene Leute im Tor“, so Lepori. Diesem Problem hat man nun ein Ende gesetzt.

Generell werden Probleme bei der Zweitvertretung recht schnell gelöst, vermutlich hilft die herrschende Harmonie dabei. „Wir genießen eine super Unterstützung vom Vorstand und Alex und ich harmonieren sehr gut. Wir haben dieselbe Philosophie und das ist dann sehr einfach.“ Teichert und Lepori haben nicht nur eine Mannschaft auf die Beine gestellt, sondern um sich herum auch ein Team geformt: „Für eine zweite Mannschaft sind wir im Betreuerteam sensationell aufgestellt, das ist nicht selbstverständlich. Ich glaube es wächst was richtig Gutes zusammen.“ Doch frei nach dem Motto „Gut Ding braucht Weile“, beruft sich auch Lepori auf die Zeit: „Alles Gute braucht auch Zeit. Wir werden in Ruhe weiter arbeiten und freuen uns, dass bald die Saison wieder losgeht.“

Transfers

Zugänge: Björn Benninghoff (reaktiviert), Marvin Burow, Rene Burow (beide RW Welheimer Löwen), Hussein Kaawar (reaktiviert), Constantinos Pommer (SF Königshardt), Moritz Blasberg (eigene dritte Mannschaft), Christian Schumann (VfB Kirchhellen)

Abgänge: Christoph Laaks (Helene Essen), Dennis Kreul, Max Richter, Sven Laufhütte, Marvin Bulka (alle Ziel unbekannt), Kevin Jäschke (BSG Mengende),

Autor: Peter Piotrowski