Köllner: „Entweder man hat Spaß oder man hört auf.“

Als Aufsteiger auf dem sechsten Platz zu landen, ist per se eine gute Bilanz. Beendet man die Hinrunde allerdings auf dem zweiten Rang, mit nur fünf Zählern Rückstand auf den Spitzenreiter, ist die Frage nach den Geschehnissen in der Rückrunde vollkommen berechtigt. Denn neun Niederlagen in 14 Saisonspielen, zum Vergleich, vor der Winterpause waren es nur zwei, kommen nicht von ungefähr. Interne Probleme und Motivationslosigkeit drohten sogar die komplette Mannschaft zu zerbrechen. Ihr Aufstieg in die Kreisliga B war nicht von schlechten Eltern. Mit 79 von möglichen 84 Punkten ließen die Oberhausener, die zwei Jahre zuvor von der Oberhausener Hobbyliga in den Kreis wechselten, der Konkurrenz keine Chance. Dementsprechend stolz geschwellt war die Brust der Kapryser Spieler, die natürlich erneut um den Aufstieg mitspielen wollten, wenngleich sich Trainer Geronimo Köllner zurückhaltend zeigte und auf den Klassenerhalt als Ziel verwies. Und bis zum 13. Spieltag sah es so als würde man in Sachen Aufstieg erneut eine wichtige Rolle spielen. Doch die Niederlage bei der Reserve der Arminia Lirich betrübte die Stimmung an der Mellinghofer Straße und war für Trainer Köllner ein Wendepunkt:  „Nach dieser Niederlage ist bei uns der Spaß verloren gegangen.“ Und damit fingen die Probleme bei SG Kaprys an. Zwar war der Februar mit zwei Siegen in drei Partien noch recht erfolgreich, ging es ab März bergab. In den verbleibenden elf Spielen holten die Oberhausener nur noch fünf Punkte. In Summe sprang dann am Ende der sechster Platz heraus: „Als Aufsteiger keine schlechte Platzierung. Es hat Spaß gemacht die Leute zu ärgern und man hat gesehen, dass wir Potenzial für mehr haben.“

Bei Heimspielen von RW Oberhausen ist die Anlage gesperrt.

Tolga Aydemir.

„Meine Mannschaft will oben mitspielen, aber das geht nur wenn du von Verletzungen verschont bleibst. Wir haben jetzt das Pech, dass unser Stürmer Robert Binder mit einem Kreuzbandriss mindestens die Hinrunde ausfällt“, so Köllner in der letztjährigen Vorstellung. Ausgemacht hat die Verletzung von Robert Binder nichts, denn die Kapryser fegten in der Hinrunde so gut wie alles weg was Beine hatte und Fußball spielen konnte. Sogar das Duell beim späteren Aufsteiger SF Königshardt II konnte die Elf von Geronimo Köllner gewinnen, als seinen schönsten Sieg bezeichnete er aber den 1:0-Erfolg über die Batenbrocker Ruhrpott Kicker am 6. Spieltag: „Wir haben uns gegen einen starken Gegner, der guten Fußball gespielt hat, in einer von beiden Mannschaften gut geführten Partie durchgesetzt.“  Die einzigen Punktverluste gab es gegen Post Oberhausen, RSV Klosterhardt und Arminia Lirich II. 34 Zähler zierten Ende 2015 das Punktekonto, fünf weniger als die SF Königshardt II. Für den Aufsteiger zu viel um in den Rückrunde einen weiteren Angriff zu starten, wodurch, bedingt durch die schlechte Stimmung im Team, die Leistung stark nachließ. Spiele, die man in der Hinrunde noch locker gewonnen hat, verlor man nun, man trennte sich von sportlich wertvollen Spielern, die jedoch menschlich nicht mehr tragbar waren. So verließen unter anderem Robin Raguse, Soufian El Hamouti und Daniel Mista wichtige Leistungsträger das Team in Richtung SW Alstaden. In der Rückrundentabelle waren nur noch die beiden Absteiger SG Oberhausen und BW Fuhlenbrock II schlechter. In Summe sprang dann am Ende der sechster Platz heraus.

Doch die schlechte Rückrunde und Stimmung brachte nicht nur Nachteile, so blühte Tolga Aydemir, der beinahe auch den Verein verlassen hätte, auf und wurde Kapitän dieser Elf. Zusammen mit Niklas Kallenberg, Spielführer in dieser Saison und Marvin Lockenmeyer bildet Aydemir in dieser Saison das neue Abwehrtrio. Und auch im Mittelfeld hat Köllner nun viel mehr Möglichkeiten: „Wir haben nun mehr Spieler, die um die Plätze kämpfen. Der Vorteil ist, wenn jetzt einer ausfällt, dann ist es leichter ihn zu ersetzen. Das war in der letzten Saison nicht der Fall, da war der Qualitätsverlust zu hoch und alles ist zusammen gefallen. Aber ein Kollektiv ist besser, wir müssen nicht mit elf Mann durch die ganze Saison gehen. Mehr Optionen hat Köllner nun auch im Sturm. Neuzugang Joel Ocana-Garcia, einer vier Neuen von Espanol Oberhausen,  „bringt mit was vorher nicht vorhanden war, Zug zum Tor.“ Aus sechs Stürmern kann Köllner auswählen, ebenfalls ein Luxus, der ihm in der letzten Spielzeit verwehrt geblieben ist. Insgesamt 26 Mann schmücken nun seinen Kader, von denen natürlich nicht immer alle zu Verfügung stehen, doch „vernünftiges Training und Variation in der Aufstellung sind nun ohne Probleme möglich.“ Für die aktuelle Spielzeit gab es nicht nur zahlreiche neue Spieler, sondern gleich auch eine neue Platzanlage. Die Sportanlage an der Lindnerstraße, unmittelbar neben dem Niederrheinstadtion, ist nun die neue Heimat des B-Ligisten. Die dort neu gebaute Kunstrasenanlage wurde Kaprys angeboten, da in unmittelbarer Zukunft der SC 20 Oberhausen auf die Anlage an der Mellinghofer Straße wechseln wird. „Da wir dann mit drei Vereinen, TB Oberhausen, SC 20 Oberhausen und wir auf dieser Anlage wären und wir schon drei Teams haben, wäre es einfach zu voll gewesen. Da haben wir zugeschlagen“, so Köllner. Ein kleinen Haken gibt es allerdings doch: „Wir sind abhängig von RW Oberhausen. Denn bei deren Heimspielen können wir nicht auf die Anlage.“ Mit einem anliegenden Beachvolleyplatz und der Nähe zum Kanal, der sich ideal zum Laufen anbietet, scheint dieses Manko ertragbar zu sein.


Auf’m Platz sprach mit Trainer Geronimo Köllner

Auf’m Platz: „Ihr habt euch zu Beginn der Rückrunde von drei Leistungsträgern getrennt. Warum?
Köllner: „Die Leute waren einfach zu undiszipliniert. Natürlich hat das Leistungsgefüge darunter gelitten, doch ich hatte eine Verantwortung gegenüber der Mannschaft. Robin Raguse und Soufian El Hamouti waren sehr gute Fußballer, aber wir waren einfach nicht die Adresse für sie. Robin hat uns viele Punkte beschert, ohne ihn hätten wir vermutlich gegen Königshardt im Hinspiel nicht gewonnen, insofern war es sportlich ein herber Verlust. Dasa gleiche bei El Hamouti und Daniel Mista, der unser Kapitän war.“

Auf’m Platz: „Ist es richtig, dass ihr bald an der schlechten Rückrunde zerbrochen wärt?
Köllner: „Das stimmt. Es war ein Wechselbad der Gefühle. Wir mussten lernen ein ordentliches Mittelmaß zu finden. Die fehlende Motivation hat vieles dazu beitragen, wobei ich schon verstehen kann, dass die Motivation dann weg ist, wenn es um nichts mehr geht. Aber mir gefällt es gar nicht, sich so hängen zu lassen. Wenn wir uns zusammen gerissen haben, dann hat es auch geklappt und wir haben gewonnen. Das wichtigste ist, das der Spaß da ist, das müssen alle verstehen, sonst kann man es ganz bleiben lassen und da es bei uns keine Bezahlung gibt und auch nie geben wird, muss der Spaß im Vordergrund stehen.“

Trainer Geronimo Köllner.

Auf’m Platz: „Vier Punkte aus den ersten vier Spielen. Aktuell Neunter. Wie lautet dein erstes Fazit?“
Köllner: „Es ist ok. Man hat gesehen, dass wir uns noch finden beziehungsweise als Team wachsen müssen. Doch wir haben uns in der Gruppe nicht so die Höllenaufgaben aufgeheizt, das ist schon in Ordnung. Die Gruppe packen war und dann spielen wir am Ende eine ordentliche Rolle ohne jetzt bis ganz nach oben zu kommen, dafür haben wir jetzt schon zu viel liegen lassen.“

Auf’m Platz: „Wie zufrieden bist du mit der neuen Anlage?
Köllner: „Sehr zufrieden, doch es steht noch genug Arbeit vor uns. Aktuell leben wir aus dem Kofferraum, da wir weder einen Ballraum oder eine Kabine haben.“

Auf’m Platz: „Ihr seid wie in der Aufstiegssaison erneut durch eurer hohen Kartenflut aufgefallen. Wart ihr 2014 noch Drittletzter, habt ihr in der abgelaufenen Saison den letzten Platz belegt?“
Köllner: „Das schlimmste ist, dass wir die meisten gelben Karten wegen Meckern bekommen haben. Ich wäre froh, wenn es zwischendurch eines taktischen Fouls gewesen wäre beziehungsweise generell wegen Foulspiel, aber den Großteil der Karten gab es halt wegen Meckern. Bitter ist es vor allem wegen der vielen Sperren gewesen“

Auf’m Platz: „Wie sieht deine Zielsetzung für diese Saison aus?
Köllner: „Einfach Spaß haben und die Saison vernünftig zu Ende spielen. Ich hoffe, dass diese Spielzeit mehr Herausforderung bringt und die Spiele wieder knappe werden.“


Saison 2016/2017

SG Kaprys


Transfers

Zugänge:
Joel Ocana-Garcia, Stanislaw Steinkosch, Biral Gülec, Kadir Demirca (alle Espanol Oberhausen), Jochen Sowislok, Maurice Thiemann (reaktiviert), Cüneyt Andres Yücel (SG Kaprys II)

Abgänge:
Robin Raguse, Soufian El-Hamouti, Daniel Mista (alle SG Kaprys), Christian Szadzik (SG Kaprys II) 


Kader

Torwart:
Nico Trachte

Abwehr:
Maurice Thiemann, Niklas Kallenberg, Daniel Imasua, Marvin Lockenmeyer, Christian Zuber, Michael Lojek, Giuseppe Colombo, Cüneyt Yücel, Florian Tenbergen, Stephan Dungs, Konstantin Adler

Mittelfeld:
Andreas Lemmler, Paul Patzschke, Birol Gülec, Georgios Spais, Riccardo Kunze, Pascal Kaiser, Stefan Pauschert, Kadir Demircan

Sturm:
Jochen Sowislok, Ramiz Hagjolli, Joel Ocana-Garcia, Stanislaw Steinkusch, Richard Michel, Robert Binda


Testspiele

24.07|SV Rhenania Hamborn II|8:1
31.07|VfR 08 Oberhausen III|1:4
07.08|VfR 08 Oberhausen II|3:1