Hoffmann: „Es ist das letzte Kapitel für Fortuna Bottrop und mich.“

Erstellt von Steffen Ludwig | |   KAT_SV Fortuna Bottrop

Der SV Fortuna beendet im Sommer die Zusammenarbeit mit Trainer Marco Hoffmann - nach acht gemeinsamen Jahren und der wohl erfolgreichsten Saison in der Bezirksliga. Wir haben mit dem scheidenden Trainer gesprochen.

Seit 19 Jahren ist Marco Hoffmann beim SV Fortuna tätig. Vor 17 Jahren fing er als Trainer an und vor acht Jahren übernahm er die erste Mannschaft. Damals spielte der Verein in der Kreisliga A. In der Saison 2012/13 schafften Hoffmann und der SV Fortuna den Aufstieg und konnten sich seitdem in der Bezirksliga halten. Aktuell spielen die Bottroper wohl ihre beste Bezirksliga-Saison, sind mit 34 Punkten aus 15 Spielen die beste Mannschaft der Rückrunde und überholten am Wochenende sogar den Stadtrivalen VfB Bottrop. Obwohl der Vorstand und Hoffmann sich am Freitag auf eine weitere Zusammenarbeit einigten, erklärten die Verantwortlichen am Montag, dass sie mit einem anderen Trainer in die neue Saison gehen werden. Wir haben mit Marco Hoffmann gesprochen. 


Auf‘m Platz: „Hallo Marco, deine Arbeit beim SV Fortuna wird im Sommer sehr abrupt enden. Wie fühlst du dich gerade?“
Marco Hoffmann: „Ich versuche, das Ganze sachlich, nüchtern und diplomatisch aufzunehmen. Aber das grenzt schon an eine Opernvorführung. Ich weiß nicht, wer am Ende als Verlierer aus der Geschichte geht, aber das ist auch egal. Alles, was sich der Verein Fortuna, der aktuell in Bottrop seinesgleichen sucht, in den vergangenen Jahren an Professionalität aufgebaut hat, hat er innerhalb von 48 oder 72 Stunden über den Haufen geworfen.“ 

Auf‘m Platz: „Wie ist das Ganze abgelaufen?“
Hoffmann: „Ich bin am Donnerstag aus den USA zurückgekommen und dann haben wir uns am Freitag zusammengesetzt. Der Vorstand und ich haben uns darauf geeinigt, ein neuntes Jahr dranzuhängen. Dann haben Teile des Spielerrates am Sonntag vor dem Spiel dem Vorstand gesagt, dass eine Veränderung her muss. Am Montagmorgen hat der Vorstand dann entschieden, dass es im Sommer doch nicht weitergeht und es mir gegen Mittag mitgeteilt.“

Auf‘m Platz: „Die Trennung kam jetzt sehr plötzlich.“
Hoffmann: „Die Entscheidung hat mich schon mit einer gewissen Wucht getroffen. Der Zeitpunkt ist äußerst ungünstig und sehr unsportlich. Wir spielen aktuell die beste Saison in der Bezirksliga. Am Freitag haben wir noch verlängert und jetzt auf einmal doch nicht mehr. Das ist schon eine zirkusreife Nummer.“ 

Auf‘m Platz: „Der Nachfolger steht mit Sebastian Stempel wohl schon fest. Wie siehst du diese Entscheidung?“
Hoffmann: „Das macht den Beigeschmack natürlich noch etwas bitterer. Ich werde jetzt nicht in Tränen ausbrechen, aber die Entscheidung wird bestimmt nicht von Sonntag auf Montag gefallen sein. Der Kontakt muss eigentlich schon in der Woche vorher da gewesen sein.“ 

Auf‘m Platz: „Wie bewertest du den Umgang mit dir? “
Hoffmann: „Die Art und Weise, wie das Ganze abgelaufen ist, ist gegenüber jedem Trainer unwürdig. Ich bin seit 19 Jahren im Verein und es ist klar, dass es da Abnutzungserscheinungen gibt. Die Jungs sollten das frühzeitig kommunizieren. Dann hätten wir ein rauschendes Fest gefeiert und ich hätte vielleicht eine andere Position im Verein übernommen. Das bleibt mir jetzt erspart. Es ist das letzte Kapitel für mich und Fortuna Bottrop. Es gibt keinen Plan B.“ 

Auf‘m Platz: „Es stehen noch zwei Saisonspielen an. Wie gehts es weiter?“ 
Hoffmann: „Ich werde die Saison zu Ende machen, wie es sich gehört, und möchte mir dann auch nichts vorwerfen lassen. Das sind noch drei Wochen. Wir haben heute Abend ein gemeinsames Training. Vielleicht gibt es dann auch schon wieder eine neue Entscheidung, aber das weiß ich nicht. Eine große Verabschiedung möchte ich nicht.“ 

Auf‘m Platz: „Nach der Saison geht es schon seit Jahren nach Malle.“ 
Hoffmann: „Da geht es für mich auch auf jeden Fall hin. Ich bin schon privat für fünf Tage da. Dann kommt eigentlich die Mannschaft nach. Wir werden sehen, wie wir dann mit der Situation umgehen werden.“ 

Auf‘m Platz: „Wie blickst du abschließend auf deine 19 Jahre Fortuna zurück?“
Hoffmann: „Ich bin ein bisschen traurig, aber auch nur ein bisschen. Mir bleibt eigentlich alles so erhalten, wie es war: Die 19 Jahre bei Fortuna, die acht Jahre als Trainer der ersten Mannschaft und auch diese starke Rückrunde. Aber auch dieses Wochenende wird mir erhalten bleiben, so wie es war. Es gibt leider kein Happy End. Das hätte ich mir anders gewünscht.“

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